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Neues Desoxyribose-Gel gegen androgenetische Alopezie: so wirksam wie Minoxidil (Rogaine)

Mann trägt Haarwuchsmittel auf seine lichtende Kopfhaut vor dem Spiegel im Badezimmer auf.

Wie die Entdeckung zustande kam

Im Jahr 2024 sind Forschende auf eine mögliche neue Behandlung für erblich bedingten Haarausfall gestossen – die weltweit häufigste Ursache für Haarverlust bei Männern und Frauen.

Ausgangspunkt war die Untersuchung eines Zuckers, der natürlicherweise im Körper vorkommt und am Aufbau der DNA beteiligt ist: der „Desoxyribose“-Bestandteil der Desoxyribonukleinsäure.

Bei Experimenten zur Wundheilung bemerkten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der University of Sheffield sowie der COMSATS University in Pakistan, dass nach dem Auftragen dieser Zucker lokal auf Mauswunden das Fell rund um die Läsionen schneller nachwuchs als bei unbehandelten Tieren.

Diese Beobachtung veranlasste das Team, dem Effekt gezielt nachzugehen.

Studienaufbau und Ergebnisse: Desoxyribose-Gel bei androgenetischer Alopezie

In einer im Juni 2024 veröffentlichten Studie verwendeten die Forschenden männliche Mäuse mit testosteronbedingt ausgelöstem Haarverlust. Den Tieren wurde das Fell am Rücken entfernt. Anschliessend trugen die Forschenden täglich eine kleine Menge eines Desoxyribose-Zuckergels auf die freiliegende Haut auf. Innerhalb weniger Wochen zeigte sich in dem behandelten Bereich ein „robuster“ Nachwuchs: lange, dicke einzelne Haare sprossen.

Dabei erwies sich das Desoxyribose-Gel als so wirksam, dass es laut Team in etwa gleich gut funktionierte wie Minoxidil – ein topisches Mittel gegen Haarverlust, das vielen unter dem Markennamen Rogaine bekannt ist.

„Our research suggests that the answer to treating hair loss might be as simple as using a naturally occurring deoxyribose sugar to boost the blood supply to the hair follicles to encourage hair growth“, sagte die Tissue Engineerin Sheila MacNeil von der University of Sheffield.

Erblich bedingter Haarausfall – auch androgenetische Alopezie genannt – ist ein natürlicher Zustand, der durch genetische Faktoren, Hormonspiegel und das Älterwerden beeinflusst wird und sich bei Männern und Frauen unterschiedlich äussert.

Bis zu 40 Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen, dennoch hat die US-Arzneimittelbehörde Food and Drug Administration (FDA) bislang erst zwei Medikamente zur Behandlung dieser Erkrankung zugelassen.

Einordnung der bisherigen Therapien: Minoxidil, Finasterid und Grenzen

Minoxidil ist frei verkäuflich und kann den Haarverlust verlangsamen sowie bei manchen Betroffenen einen gewissen Nachwuchs fördern – allerdings spricht nicht jede Person mit Haarverlust darauf an.

Wenn Minoxidil nicht ausreichend wirkt, können männliche Patienten auf Finasterid (Markenname Propecia) zurückgreifen. Dabei handelt es sich um ein verschreibungspflichtiges orales Medikament, das die Umwandlung von Testosteron zu Dihydrotestosteron hemmt. Für weibliche Patientinnen ist es bislang nicht zugelassen.

Finasterid kann den Haarverlust bei etwa 80 bis 90 Prozent der männlichen Patienten verlangsamen, muss nach Beginn jedoch dauerhaft eingenommen werden. Gleichzeitig kann das Medikament mit unerwünschten, teils schweren Nebenwirkungen in Verbindung stehen, darunter erektile Dysfunktion, Schmerzen an Hoden oder Brust, verminderte Libido sowie Depressionen.

„The treatment of androgenetic alopecia remains challenging“, schreiben MacNeil und ihre Kolleginnen und Kollegen, angeführt vom Biomaterial-Forscher Muhammad Anjum von COMSATS, in ihrer veröffentlichten Arbeit.

Vergleich im Mausmodell und mögliche Wirkweise

Gemeinsam entwickelte das Team ein biologisch abbaubares, nicht toxisches Gel auf Basis von Desoxyribose und testete es an Mausmodellen des männlichen erblich bedingten Haarausfalls.

Parallel dazu wurde Minoxidil an kahlen Mausmodellen geprüft. Einige Tiere erhielten zusätzlich sowohl das Zuckergel als auch Minoxidil.

Im Vergleich zu Mäusen, die nur ein Gel ohne Wirkstoff bekamen, begannen die Tiere mit Desoxyribose-Zuckergel neue Haarfollikel auszubilden.

Sowohl Minoxidil als auch das Zuckergel führten bei Mäusen mit männlichem Musterhaarausfall zu 80 bis 90 Prozent Haarneuwachstum. Eine Kombination beider Behandlungen brachte hingegen kaum einen zusätzlichen Effekt.

Während des 20-tägigen Versuchs wurden in mehreren Phasen Fotos aufgenommen; der Unterschied war deutlich erkennbar.

Warum das Desoxyribose-Gel bei Mäusen längeres und dickeres Haarwachstum anregt, ist noch nicht abschliessend geklärt. Rund um die behandelte Stelle beobachtete das Team jedoch eine Zunahme von Blutgefässen und Hautzellen.

„The better the blood supply to the hair bulb, the larger its diameter and the more hair growth“, schreiben die Forschenden.

Sollte sich das Desoxyribose-Gel auch beim Menschen als wirksam erweisen, könnte es zur Behandlung von Alopezie eingesetzt werden oder sogar nach einer Chemotherapie das Nachwachsen von Kopfhaar, Wimpern und Augenbrauen unterstützen.

„This is a badly under-researched area, and hence new approaches are needed“, schreiben die Autorinnen und Autoren.

Die bisherigen Experimente wurden ausschliesslich an männlichen Mäusen durchgeführt. Weitere Forschung könnte jedoch zeigen, dass diese natürlichen Zucker auch bei weiblichen Mäusen mit testosterongetriebener Alopezie wirken.

„The research we have done is very much early stage“, sagte MacNeil, „but the results are promising and warrant further investigation.“

Die Studie wurde in Frontiers in Pharmacology veröffentlicht.

Eine frühere Version dieses Artikels wurde erstmals im Juli 2024 veröffentlicht.

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