Die Aussicht, die natürliche Haarfarbe grauer Haare wiederherzustellen, rückt erneut in den Fokus der Wissenschaft. Auf dem World Congress for Hair Research in Seoul (Südkorea) wurde eine Studie vorgestellt, in der einige Teilnehmende nach der Einnahme niedriger Dosen Rapamycin eine erneute Pigmentierung ihrer Haare zeigten – ein Wirkstoff, der in der Medizin bereits für andere Zwecke bekannt ist.
Die Beobachtung weckt Interesse, weil es bislang keine Behandlung gibt, die das natürliche Ergrauen der Haare nachweislich rückgängig machen kann. Gleichzeitig betonen Forschende und Fachleute, dass deutlich umfangreichere Untersuchungen nötig sind, bevor daraus überhaupt eine therapeutische Option abgeleitet werden kann.
Warum werden Haare grau?
Graue beziehungsweise weisse Haare sind ein Bestandteil des normalen Alterungsprozesses. Der Grund: Melanozyten – die Zellen, die Melanin bilden – produzieren mit der Zeit weniger Pigment oder stellen ihre Funktion vollständig ein.
Melanin ist der Stoff, der die Farbe von Haaren, Haut und Augen bestimmt. Mit zunehmendem Alter nimmt die Aktivität dieser Zellen schrittweise ab. Zusätzlich beeinflussen genetische Faktoren, wann dieser Prozess einsetzt: Bei manchen Menschen treten erste graue Haare bereits vor dem 30. Lebensjahr auf, andere behalten ihre natürliche Farbe deutlich länger.
Wie die Studie durchgeführt wurde
In der Untersuchung wurden zehn Frauen und Männer unter 60 Jahren begleitet, bei denen bis zu 30 % der Haare grau waren. Über einen Zeitraum von sechs Monaten erhielten alle Teilnehmenden reduzierte Dosen von Rapamycin.
Nach Angaben der Forschenden zeigte ein Teil der Gruppe bereits wenige Wochen nach Beginn der Einnahme eine Zunahme der Pigmentierung einzelner Haare. Das deutet darauf hin, dass der Wirkstoff die Aktivität der Melanozyten möglicherweise wieder anregen könnte.
Als Erklärung wird diskutiert, dass Rapamycin die Proteinstruktur mTORC1 hemmt – ein Mechanismus, der mit zellulären Alterungsprozessen in Verbindung gebracht wird. Durch diese Blockade könnten die für die Melaninproduktion zuständigen Zellen wieder effizienter arbeiten.
Ergebnisse müssen noch bestätigt werden
Auch wenn die ersten Beobachtungen als ermutigend gelten, raten Expertinnen und Experten zur Zurückhaltung. Die Studie umfasste nur zehn Personen und wurde bislang nicht in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift mit Peer-Review veröffentlicht – ein entscheidender Schritt, um Ergebnisse zu prüfen und zu validieren.
Ausserdem sind grössere Studien erforderlich, um zu klären, ob der beobachtete Effekt tatsächlich durch Rapamycin verursacht wurde, welche Personengruppen davon profitieren könnten und wie es um die langfristige Sicherheit steht.
Rapamycin ist nicht zur Behandlung grauer Haare vorgesehen.
Trotz der Aufmerksamkeit rund um die Studie wurde Rapamycin nicht für kosmetische Zwecke entwickelt. Der Wirkstoff wird derzeit vor allem eingesetzt, um die Abstoßung von transplantierten Organen zu verhindern, und ist ausserdem Bestandteil der Behandlung einiger spezifischer Erkrankungen.
Deshalb unterstreichen Fachleute, dass das Medikament nicht mit dem Ziel eingesetzt werden sollte, ausserhalb klinischer Studien oder ohne ärztliche Indikation die Haarfarbe zurückzugewinnen. Bis neue Untersuchungen vorliegen, bleiben Färbemittel und andere kosmetische Optionen die einzigen nachweislich wirksamen Methoden, um graue Haare zu kaschieren.
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