Manche Menschen trainieren regelmässig, bleiben diszipliniert und halten ihre Routine konsequent ein – und trotzdem lassen sichtbare Fortschritte auf sich warten. Gleichzeitig wirken andere so, als würden sie deutlich schneller Muskulatur aufbauen, Körperfett verlieren oder ihre Ausdauer verbessern. Die positive Nachricht: Das ist nicht automatisch ein Zeichen für zu wenig oder zu viel Einsatz. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass jeder Körper unterschiedlich auf Training reagiert – und dass die Genetik dabei eine zentrale Rolle spielt.
Die Studie „Erblichkeit der körperlichen Fitness und des Trainingsverhaltens“, veröffentlicht im wissenschaftlichen Fachjournal Japanese Journal of Physical Fitness and Sports Medicine, beschreibt eine ausgeprägte individuelle Streuung bei Trainingseffekten; ein wesentlicher Anteil dieser Unterschiede lässt sich durch die DNA erklären.
„Jeder Organismus reagiert einzigartig auf Bewegung. Das betrifft sowohl die Muskelzusammensetzung als auch hormonelle und stoffwechselbezogene Faktoren, die sich zwischen Menschen stark unterscheiden. Ausserdem sind diese Unterschiede ganz natürlich“, erläutert Luiz Augusto Riani Costa, Sportmediziner bei Alta Diagnósticos, einer Premium-Marke von Dasa.
Rolle der Sportmedizin im Hochleistungssport
Eine Übersichtsarbeit mit dem Titel „Bedeutung ausgewählter genetischer Faktoren für Ausdauerleistung und körperliche Stärke: eine narrative Übersichtsarbeit“, erschienen in der Fachzeitschrift Frontiers in Physiology, kommt zu dem Schluss, dass bis zu 66% der Unterschiede in der sportlichen Leistungsfähigkeit mit genetischen Einflüssen zusammenhängen könnten. Der übrige Anteil wird dem Lebensstil, dem Training und der Umwelt zugeschrieben.
Das hilft zu verstehen, weshalb Sportmedizin und individuell zugeschnittene Betreuung auch im Hochleistungssport immer wichtiger werden. „Sport auf höchstem Niveau verlangt eine medizinische, physiologische und diagnostische Überwachung, die zunehmend anspruchsvoller wird. Diese Unterstützung ist nicht nur für die Performance entscheidend, sondern auch für Gesundheit und die langfristige Karriere eines Athleten“, sagt Raffael Francisco Pires Fraga, Kardiologe für Belastungsmedizin bei Dasa.
Hormone beeinflussen die Ergebnisse ebenfalls
Neben genetischen Voraussetzungen wirken sich auch Hormone direkt auf die körperliche Leistungsfähigkeit aus. Testosteron, Cortisol und Schilddrüsenhormone können beispielsweise den Muskelaufbau, die Fettverbrennung, das Energielevel sowie die Regeneration nach dem Training beeinflussen.
Liegt ein hormonelles Ungleichgewicht vor, reagiert der Körper mitunter langsamer auf Trainingsreize. Das kann den Fortschritt bremsen – selbst dann, wenn die Ernährung ausgewogen ist und die Trainingseinheiten regelmässig stattfinden.
Gentests können helfen, Training zu personalisieren
In den vergangenen Jahren haben genetische Untersuchungen mit Sportbezug an Bedeutung gewonnen. Ziel ist es, Veranlagungen zu erkennen, die mit Leistungsfähigkeit, Stoffwechsel und Verletzungsrisiken zusammenhängen, um daraus stärker individualisierte Strategien abzuleiten.
„Das ideale Training ist nicht für alle gleich. Heute können wir Genetik nutzen, um besser zu verstehen, wie jeder Körper funktioniert, und dadurch die Betreuung präziser gestalten“, erklärt der Facharzt für Medizinische Genetik Gustavo Guida von Dasa Genômica und dem Labor Sérgio Franco.
Solche Analysen können zum Beispiel Hinweise liefern, ob jemand eher auf Kraft- oder auf Ausdauertraining anspricht – und sie können zudem dabei helfen, Verletzungen vorzubeugen.
Das Geheimnis liegt in der Individualität
Fachleute betonen, dass Gene keine starren Grenzen setzen, sondern unterschiedliche Ausgangsbedingungen beschreiben. Das bedeutet: Mit regelmässigem Training können alle Menschen Fortschritte machen. Unterschiede zeigen sich vor allem beim Tempo, bei der geeigneten Strategie und bei der Art des Trainingsreizes, der für den jeweiligen Organismus am besten passt. Deshalb machen ärztliche Begleitung, eine fundierte körperliche Leistungsdiagnostik und eine individuelle Planung den entscheidenden Unterschied, wenn es um stabilere und gesundere Ergebnisse geht.
Von Mariana Durante
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