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Miss France 2026: Handyvideo, Shitstorm – Miss Provence und Aquitanien verlieren ihre Kronen

Miss Ance 2024 mit Krone und eleganter Robe auf dem Laufsteg, fotografiert von Zuschauern mit Smartphones.

Frankreich erlebt gerade einen ungewöhnlichen Medienwirbel rund um einen Beauty-Contest: Zwei regionale Schönheitsköniginnen geben ihre Kronen ab, die frisch gekürte Miss France 2026 wird fast zur Randnotiz – und online rollt ein Shitstorm. Ausgangspunkt ist ein kurzer Garderoben-Clip, ein ruppiger Spruch, gekränkte Gefühle und die Debatte, ob ein paar Sekunden Backstage-Frust wirklich als größter TV-Aufreger der Woche taugen.

Wie ein Handyvideo zwei Missen den Titel kostete

Nach der Wahl zur Miss France 2026 in Amiens entsteht im Backstage-Bereich eine Aufnahme, die nur wenige Augenblicke dauert. Eine Kandidatin filmt mit dem Smartphone, während die Stimmung angespannt ist: Viele Teilnehmerinnen sind gerade schon im ersten Wahlgang ausgeschieden, es wird geweint, Enttäuschung liegt in der Luft. In die Kamera stellt die Vertreterin aus Aquitanien die Zusammensetzung der Top 12 infrage und macht ihrem Ärger über das Resultat deutlich Luft.

Direkt neben ihr steht die Miss aus der Provence. Sie legt – hörbar als Scherz gemeint, aber unmissverständlich derb – eine Bemerkung nach, mit der sie die Finalistinnen betitelt. Zuerst kursiert der Clip im privaten Umfeld, dann taucht er in einer Story auf und landet schließlich bei einem bekannten Influencer. Ab da verbreitet sich das Video innerhalb kürzester Zeit in den sozialen Netzwerken.

Aus wenigen Sekunden Frust und Galgenhumor wird ein Wirbel, der zwei Frauen den Titel kostet.

Die Reaktion folgt schnell: Innerhalb von 48 Stunden ziehen die regionalen Komitees die Konsequenzen. Aquitanien und Provence nehmen beiden Kandidatinnen ihre regionalen Kronen samt aller damit verbundenen Privilegien ab und reichen die Schärpen an die jeweiligen Zweitplatzierten weiter. Der Leiter des nationalen Komitees bezeichnet die Aufnahme öffentlich als ein „beschämenden Video“ und macht deutlich, dass derartige Szenen nicht zu den Werten des Wettbewerbs passten.

Entschuldigungen, Erklärungen und ein Schuss Panik

Die beiden Betroffenen gehen in die Offensive. Auf Instagram versucht die junge Frau aus Aquitanien, den Schaden einzugrenzen. Sie erklärt, in einem eigentlich nur für Freunde gedachten Clip Äußerungen einer anderen Kandidatin bestätigt zu haben, die nicht mit ihren eigenen Grundsätzen vereinbar seien. Dabei hebt sie Werte wie Respekt, Solidarität und Würde hervor – Prinzipien, die das Komitee ihr nach eigener Darstellung über Monate vermittelt habe.

Gleichzeitig gesteht sie ein, in dieser Situation nicht „auf der Höhe dieser Werte“ gewesen zu sein. Sie spricht von Reue, davon, Kolleginnen verletzt zu haben, und bittet alle, die sich angegriffen fühlen, um Vergebung – in der Hoffnung, dass sich die Wogen mit der Zeit wieder legen.

Die Miss aus der Provence wählt einen etwas anderen Ansatz. In einer Story und in einem Interview mit einer Regionalzeitung beschreibt sie die Stimmung hinter den Kulissen nach der Show: mehr als zwanzig junge Frauen, viele völlig niedergeschlagen, einige weinend, insgesamt eine gedrückte Atmosphäre. Sie stellt sich selbst als jemanden dar, der in solchen Momenten gern mit flapsigen Sprüchen und Süßigkeiten versucht, andere aufzumuntern.

Ihr zentraler Punkt: Der Spruch sei als derbe, aber vertraute Scherzformel gemeint gewesen – nicht als ernstgemeinte Beschimpfung.

Sie betont, niemanden gezielt haben treffen zu wollen; in ihrem Umfeld werde der verwendete Ausdruck eher im Sinn von „Glückspilzinnen“ gebraucht. Dass gefilmt wurde und die Szene später öffentlich kursieren würde, sei ihr nicht klar gewesen. Nachdem die Aufnahmen die Runde machten, habe sie sich nach eigenen Angaben umgehend bei den betroffenen Kandidatinnen entschuldigt.

War das wirklich ein Skandal – oder nur eine schlechte Pointe?

Genau daran entzündet sich nun die Debatte in Fangruppen, Medienbeiträgen und Social-Media-Kommentaren: Waren das echte, gezielte Beleidigungen – oder eine geschmacklose, aber im Kontext halbwegs nachvollziehbare „Lockerungs-Pointe“ in einem eigentlich geschlossenen Raum?

Im Gespräch mit der Regionalzeitung erzählt die Provenzalin, kurz zuvor habe eine Betreuerin sinngemäß gesagt, jetzt dürften die Kandidatinnen wieder fluchen und Dampf ablassen. In dieser Stimmung habe sie ihren Spruch hinterhergerufen; mehrere ausgeschiedene Teilnehmerinnen hätten gelacht und für einen Moment ihre Anspannung verloren.

So betrachtet wirkt das Gesagte eher wie der Versuch, in einem emotionalen Ausnahmezustand mit schwarzem Humor umzugehen – weniger wie ein gezielter Angriff auf die Würde der Finalistinnen. Trotzdem bleibt die Wortwahl grob und unpassend, besonders für jemanden, der vorübergehend eine öffentliche Rolle repräsentiert. Gleichzeitig zeigt der Kontext, wie weit die Empörungsspirale inzwischen reichen kann.

  • Private Situation, aber durch Smartphone öffentlich geworden
  • Derber Slang, der sonst im Freundeskreis bleibt
  • Hoher moralischer Anspruch an Repräsentantinnen eines Wettbewerbs
  • Gleichzeitiger Druck durch Social Media und Shitstorms

Daraus entsteht ein klassisches Dilemma: Auf der einen Seite steht ein strenges Regelwerk, das Miss-Kandidatinnen als Vorbilder definiert. Auf der anderen Seite stehen reale Menschen Anfang 20, die in Extremsituationen nicht jedes Wort bis ins Letzte abwägen.

Rückzug aus Ehrgeiz? Miss Provence widerspricht

Ein Detail geht im Streit fast unter: Die Kandidatin aus der Provence sagt, sie habe intern schon vor dem Finale deutlich gemacht, dass sie gar nicht in die Top 12 wolle. In der Rolle einer nationalen Miss habe sie sich unwohl gefühlt und den Platz lieber Frauen überlassen wollen, die diesen Traum stärker verfolgten.

Sie beschreibt sich als impulsiv und manchmal zu unbedacht – und genau das passe aus ihrer Sicht schlecht zu einem hochregulierten Amt, in dem jede Geste und jeder Satz bewertet werde. Hinzu komme eine private Belastung: Ihr Vater sei an Alzheimer erkrankt; ein Amtsjahr weit weg von der Familie hätte sie emotional stark getroffen.

Das entschuldigt den Inhalt des Spruchs im Video nicht, schwächt aber den Vorwurf, es sei bloß Neid gewesen. Stattdessen zeichnet sich das Bild einer jungen Frau ab, die sich in einem Glitzerbetrieb wiederfindet, der nicht zu ihrem tatsächlichen Lebensfokus passt.

Streit zwischen den beiden Skandal-Missen

Zusätzlichen Zündstoff liefert, dass die beiden Beteiligten inzwischen auch miteinander über Kreuz liegen. Die Miss aus der Provence wirft der Kandidatin aus Aquitanien vor, das Video ohne Absprache in ihrer Story gepostet zu haben. Es habe weder eine Erlaubnis gegeben noch sei transparent gewesen, dass die Aufnahme öffentlich werden könnte.

Im Regelwerk ist klar festgelegt: Gemeinsame Videos mit Schärpe sind heikel, spontane Posts können Konsequenzen haben.

Nach dem Leak habe die Provenzalin nach eigener Darstellung versucht, ihre Kollegin zu erreichen, um die Situation zu klären. Zu einem direkten Austausch sei es laut ihrer Schilderung jedoch nicht gekommen. Parallel entschuldigt sich Aquitanien öffentlich und grenzt sich deutlich von den Aussagen aus dem Clip ab – was die andere Seite wiederum als einseitige Schuldzuweisung empfindet.

Die eigentliche Siegerin: Miss France 2026 und ihre Mission

Während der Skandal dominiert, gerät der eigentliche Triumph fast in den Hintergrund: Miss France 2026 heißt Hinaupoko Devèze. Sie trat als regionale Miss für Martinique an, hat familiäre Wurzeln in Polynesien und verbrachte einen großen Teil ihrer Jugend im Süden Frankreichs. Sie studiert Psychologie, arbeitet nebenbei als Verwaltungsassistentin und organisiert nachhaltige Reisen auf eine Inselgruppe im Pazifik.

Ihr Schwerpunkt ist mentale Gesundheit. Nach einem eigenen Burn-out habe sie sich bewusst für dieses Studium entschieden und wolle langfristig mithelfen, dass seelisches Wohlbefinden ähnlich ernst genommen werde wie körperliche Erkrankungen. Gerade angesichts des Lärms um das Backstage-Video wird deutlich, wie aktuell dieses Thema in Zeiten von Shitstorms und digitalem Pranger ist.

So lief das Ranking bei Miss France 2026

Platzierung Titelträgerin
Miss France 2026 Hinaupoko Devèze (Miss Martinique)
1. Dauphine Juliette Collet (Miss Neukaledonien)
2. Dauphine Victoire Dupuis (Miss Normandie)
3. Dauphine Naomi Torrent (Miss Guadeloupe)
4. Dauphine Déborah Adelin Chabal (Miss Roussillon)

Ganz unbehelligt bleibt aber auch die neue Titelträgerin nicht: Medien holen einen älteren Auftritt in einem Musikvideo hervor und greifen Gerüchte aus der Vorbereitungsreise auf. Das unterstreicht, wie sehr der Wettbewerb inzwischen unter dem Vergrößerungsglas sozialer Netzwerke steht.

Social Media, Shitstorms und der hohe Preis eines Titels

An diesem Fall ist weniger der einzelne Spruch interessant als die Dynamik dahinter. Die Teilnehmerinnen werden zwar auf Regeln zu Handyaufnahmen und Social Media eingeschworen – doch im entscheidenden Moment genügt eine ungünstige Aufnahme, und plötzlich diskutiert ein halbes Land über Tonfall und Wortwahl. Der Weg vom privaten Lacher zur öffentlichen Empörung ist extrem kurz geworden.

Für junge Frauen, die häufig kaum älter als 20 sind, heißt das: Ein flapsiger Kommentar kann zur nationalen Schlagzeile werden. Die Kandidatin aus der Provence berichtet von zehntausenden Nachrichten im Postfach, von Cybermobbing und dem Gefühl, selbst zur Zielscheibe zu werden – während sie gleichzeitig als Aggressorin dargestellt werde.

So entsteht ein Widerspruch: Ein Wettbewerb, der Respekt, Anstand und Vorbildfunktion betont, spielt sich auf einer Bühne ab, die gnadenlos reagiert, wenn diese Ideale nicht perfekt eingehalten werden – und dabei selbst nicht selten jede Grenze des Respekts überschreitet.

Warum die Aufregung trotzdem lehrreich ist

Der Vorfall eignet sich weniger als Moralerzählung über „böse Missen“, sondern eher als Beispiel dafür, wie empfindlich der Umgang mit Sprache, Privatsphäre und Smartphone-Aufnahmen im öffentlichen Raum geworden ist. Daraus lassen sich ein paar praktische Punkte ableiten – nicht nur für Kandidatinnen in Schönheitswettbewerben:

  • Ironie oder Galgenhumor wirken auf Video schnell wie ernst gemeinte Angriffe.
  • „Private“ Stories bleiben selten privat, vor allem im Umfeld von TV-Shows.
  • Wer ein offizielles Amt ausübt – auch nur auf Zeit – wird an strengeren Maßstäben gemessen.
  • Gleichzeitig brauchen Betroffene Strategien, um mit digitalem Hass klarzukommen.

Hinaupoko Devèze macht mit ihrem Fokus auf mentale Gesundheit deutlich, wie sich Glamour und gesellschaftliche Relevanz verbinden lassen. Wenn eine Miss France offen über Burn-out, seelische Belastungen und Resilienz spricht, wirkt das bemerkenswert passend zu einem Jahrgang, in dem ein kurzer Wutanfall ganze Karrieren ins Wanken bringt.

Wer den Shitstorm vom Sofa aus verfolgt, übersieht leicht, dass am anderen Ende keine fehlerlosen Schönheitsikonen sitzen, sondern junge Menschen unter massivem Druck. Genau an diesem Punkt könnte die Diskussion über angebliche „Beleidigungen“ weniger schrill und deutlich konstruktiver geführt werden.

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