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Nanoplastie statt Brazilian Blowout: die neue, sanftere Glättungsbehandlung

Frau mit langen braunen Haaren sitzt im Friseursalon, Friseur berührt sanft ihr Haar.

In den Salons dreht sich der Trend schon wieder: Eine neue Glättungsbehandlung verspricht spiegelnden Glanz und glattes Haar – ohne die harten Chemikalien, die viele inzwischen meiden.

Auf TikTok, Instagram und in gehobenen Salons verdrängt eine neue Methode leise den lange als unantastbar geltenden Brazilian Blowout. Sie heisst Nanoplastie und soll das Haar in einem Schritt glätten, kräftigen und zum Strahlen bringen – und dabei einige der umstrittensten Inhaltsstoffe umgehen, die bei älteren Glättungsformeln zum Einsatz kamen.

Was Nanoplastie eigentlich ist

Nanoplastie ist eine Salonbehandlung, die Haar nicht nur „geradebiegen“ soll, sondern zugleich auf Glättung und Reparatur abzielt. Während Brazilian Blowouts vor allem für extrem glatte Längen bekannt wurden, gerieten sie auch wegen Rezepturen mit Formaldehyd oder verwandten Verbindungen in die Kritik – besonders dann, wenn beim Versiegeln Hitze dazukommt.

Nanoplastie setzt stattdessen auf einen anderen Ansatz. Anstelle starker chemischer Relaxer wird eine Mischung aus Aminosäuren, Vitaminen und Kollagen verwendet, die tief in die Haarfaser eindringen soll.

Nanoplastie zielt auf den Cortex des Haares – seinen inneren Kern – und soll von innen heraus festigen und glätten, statt nur die Oberfläche zu umhüllen.

Salons, die Nanoplastie anbieten, sprechen von einer Haltbarkeit von vier bis sechs Monaten – abhängig von Haartyp und der Pflege zu Hause. Das zentrale Versprechen: glatteres, glänzenderes, beweglicheres Haar ohne formaldehydbasierte Formeln.

Worin sie sich vom Brazilian Blowout unterscheidet

Über mehr als ein Jahrzehnt prägten Brazilian Blowouts und ähnliche Keratinbehandlungen den Markt für Glättungsservices. Dabei wurde die Haarstruktur mit kräftigen Chemikalien beeinflusst und anschliessend mit sehr hoher Hitze „fixiert“. Kritiker verwiesen auf Dämpfe, die Augen und Atemwege reizen können – besonders bei Stylisten, die täglich mit den Produkten arbeiten.

Nanoplastie positioniert sich als sanftere Alternative, die ein ähnliches Ergebnis anstrebt – teils auch bewusst etwas softer.

  • Positionierung: zwischen intensiver Pflegebehandlung und lang anhaltendem Glättungsservice.
  • Formel: Aminosäuren, Vitamine und Kollagen statt klassischer Relaxer.
  • Ergebnis: glatt und glänzend, aber mit natürlicher Bewegung statt komplett „stockgerader“ Längen.
  • Zielhaar: welliges, lockiges, trockenes oder geschädigtes Haar, das zu Frizz neigt.

Wer bei traditionellen Systemen den „flachen, leblosen“ Effekt nicht mag, könnte Nanoplastie attraktiver finden. Das Haar soll gepflegt aussehen und trotzdem schwingen – statt wie eine starre Fläche zu liegen.

Ziel ist ein polierter Look mit weniger Frizz, nicht ein steifes „gebügeltes“ Finish, das die Behandlung sofort verrät.

Für wen Salons Nanoplastie empfehlen

Stylisten raten zu Nanoplastie oft dann, wenn Kundinnen und Kunden das tägliche Styling vereinfachen möchten, ohne sich auf dauerhaftes Glätten oder wiederholte tägliche Hitze festzulegen.

Ideale Kandidatinnen und Kandidaten

Nanoplastie wird besonders beworben für:

  • Menschen mit frizzigem oder „aufgeplustertem“ Haar, die im Alltag mehr Kontrolle wollen.
  • Personen mit Wellen oder weichen Locken, die ein glatteres, entspannteres Muster suchen.
  • Kundinnen und Kunden mit langem, empfindlichem oder bereits geschädigtem Haar, das aggressive chemische Glätter schlecht verträgt.
  • Alle, die täglich 30–45 Minuten mit dem Glätteisen verbringen und diese Zeit deutlich reduzieren möchten.

Wenn weniger oft mit hoher Temperatur gestylt werden muss, kann Nanoplastie indirekt dazu beitragen, weitere Schäden durch häufiges Glätten zu begrenzen. Gerade bei Haarbruch und Spliss ist das für viele ein starkes Argument.

So läuft eine Nanoplastie-Sitzung im Salon ab

Das ist kein „mal eben schnell“-Termin. In den meisten Salons dauert eine Nanoplastie-Behandlung mehrere Stunden und folgt einer klaren Abfolge.

Phase Was passiert
1. Klärwäsche Das Haar wird mit einem tiefenreinigenden Shampoo gewaschen, um Produktablagerungen und Talg zu entfernen. Conditioner wird nicht verwendet, damit die Faser „nackt“ bleibt und die Behandlung besser aufnehmen kann.
2. Auftragen des Produkts Die Nanoplastie-Formel mit vielen Aminosäuren, Vitaminen und Kollagen wird Strähne für Strähne vom Ansatz bis in die Spitzen verteilt, damit alles gleichmässig bedeckt ist.
3. Einwirkzeit Das Produkt bleibt je nach Länge, Dichte und Struktur etwa 40–60 Minuten im Haar.
4. Ausspülen & Trocknen Überschüsse werden leicht ausgespült, danach wird das Haar glatt geföhnt.
5. Glätten mit dem Glätteisen Mit hohen Temperaturen – meist zwischen 220°C und 230°C – wird in feinen Partien gearbeitet, um die aktiven Inhaltsstoffe „einzusiegeln“.

Auch die Tage danach spielen eine grosse Rolle. Häufig wird empfohlen, das Haar zwei bis drei Tage nicht zu waschen oder nass zu machen, damit sich der Effekt stabilisieren kann. Starkes Zusammenbinden oder das feste Hinter-die-Ohren-Stecken wird in dieser Zeit oft vermieden, um keine Knicke zu erzeugen.

Stylisten betrachten das Zeitfenster nach der Behandlung als entscheidend: Wasser, Schweiss oder straffe Frisuren zu früh können die Glätte schwächen oder unerwünschte Biegungen verursachen.

Welche Ergebnisse kannst du erwarten?

Nanoplastie wird meist eher als „Glättung“ denn als „Haarglättung im Sinn von komplettem Glattmachen“ beschrieben – und dieser Unterschied ist wichtig. Im Fokus stehen Glanz, Kontrolle und weniger fliegende Härchen, nicht zwingend millimetergenau gerade Linien bei jeder Haarstruktur.

Bei von Natur aus sehr lockigem oder krausem Haar kann Nanoplastie die Locken eher lockern und Volumen reduzieren, statt die Textur vollständig zu entfernen. Bei welligem oder leicht lockigem Haar kann der Effekt deutlich näher an „glatt“ heranreichen. Viele berichten von:

  • spürbar weniger Frizz, auch bei feuchtem Wetter.
  • weicheren, seidigeren Längen, die weniger verknoten.
  • einer schnelleren und einfacheren Föhnroutine.
  • mehr Glanz, wodurch Haarfarbe reflektierter wirken kann.

Der glättende Effekt lässt in der Regel über mehrere Monate schrittweise nach. Am Ansatz kommt die natürliche Struktur mit dem Nachwuchs zurück, während die behandelten Längen mit jeder Wäsche langsam wieder mehr in ihre Ausgangsform gehen.

Wie sicher und „sanft“ ist das wirklich?

Nanoplastie wird als formaldehydfrei und ohne die aggressivsten chemischen Relaxer beworben. Das beruhigt viele, die bei älteren Methoden vor allem die starken Dämpfe unter Hitze fürchten. Trotzdem gilt: „sanfter“ bedeutet nicht automatisch ohne Folgen.

Beim Versiegeln wird mit sehr hohen Temperaturen gearbeitet. Wenn ein Glätteisen mit 220–230°C über jede Partie geführt wird, belastet das die Schuppenschicht (Cuticle) – auch dann, wenn schützende Inhaltsstoffe in der Formel enthalten sind. Gerade bei bereits fragilem Haar muss dieser Schritt besonders sorgfältig umgesetzt werden.

Hinzu kommt die Frage der individuellen Empfindlichkeit. Manche reagieren auf Duftstoffe, Konservierungsmittel oder bestimmte proteinreiche Formeln. Ein Pflastertest und eine ausführliche Beratung bleiben sinnvoll, bevor man eine intensive Salonbehandlung bucht.

Kosten, Pflege danach und realistische Erwartungen

Preislich liegt Nanoplastie meist in einer ähnlichen Kategorie wie hochwertige Glättungsservices. Je nach Stadt und Salon-Niveau kann eine Sitzung schnell mehrere Hundert Euro kosten – besonders bei langem oder sehr dichtem Haar.

Zur Nachpflege gehören häufig:

  • sulfatfreie Shampoos zu nutzen, damit die Behandlung nicht zu schnell „herausgewaschen“ wird.
  • Chlor- und Salzwasser zu begrenzen oder vor dem Schwimmen Schutzprodukte zu verwenden.
  • Färben oder Blondieren zeitlich zu entzerren, da beides das Haar schwächen und die Haltbarkeit des Glätteffekts verkürzen kann.

Stylisten warnen oft davor, „permanente“ Glätte zu erwarten. Nanoplastie verändert das Haar nur vorübergehend; sie baut die Struktur nicht in derselben Tiefe um wie klassische chemische Relaxer. Für alle, die Flexibilität mögen, kann das ein Vorteil sein – wer jedoch konstant einen sehr polierten Look will, sollte mit Auffrischungen zwei oder drei Mal pro Jahr rechnen.

Begriffe und kluge Fragen an deine Stylistin oder deinen Stylisten

Die Begriffe rund um Glättungsbehandlungen sind im Salonalltag oft verwirrend, weil Namen und Werbeversprechen sich überschneiden. Diese Wörter helfen bei der Einordnung:

  • Cortex: der innere Teil des Haarschafts; er bestimmt Stärke, Elastizität und einen grossen Teil der Form.
  • Cuticle (Schuppenschicht): die äussere, schuppenartige Schutzschicht; liegt sie glatt an, wirkt Haar glänzender.
  • Formaldehyd: ein Gas, das bei bestimmten Glättungsprodukten unter Hitze freigesetzt werden kann; es wird mit Reizungen in Verbindung gebracht und unterliegt strengen Sicherheitsvorgaben.
  • Glättung vs. Haarglättung: Glättung reduziert Frizz und Volumen; Haarglättung versucht das natürliche Muster vollständig zu verändern.

Bevor du dich für Nanoplastie entscheidest, sind diese Fragen hilfreich: Wie viel Erfahrung hat die Person mit genau deinem Haartyp? Welche Marke und welche genaue Formel wird verwendet? Wie oft wird das Wiederholen empfohlen – und welche Produkte brauchst du zu Hause, um das Ergebnis zu erhalten?

Stell dir ein typisches Beispiel vor: Jemand mit dickem, welligem Haar, das jeden Morgen geglättet wird. Nach der Nanoplastie könnte Lufttrocknen bereits für ein ordentliches, schwungvolles Finish reichen – oder es genügen ein paar Minuten Styling mit niedriger Temperatur statt einer kompletten Routine. Bei einer anderen Person mit sehr engen Locken kann dieselbe Behandlung das Muster eher nur weicher machen und das Föhnen in der halben Zeit ermöglichen, ohne die Textur komplett verschwinden zu lassen.

Während Nanoplastie auf immer mehr Preislisten auftaucht, steht sie neben anderen semi-permanenten Angeboten wie Keratinbehandlungen und sogenanntem „Haar-Botox“. Statt nach einer einzigen Wunderlösung zu suchen, raten viele Fachleute inzwischen zu einer Kombination: seltener intensive Behandlungen, bessere tägliche Pflege und ein klügerer Umgang mit Hitze. In diesem Umfeld etabliert sich Nanoplastie als weiteres Werkzeug für alle, die morgens glatter starten möchten, ohne das Gefühl zu haben, ihr Haar dafür zu „bestrafen“.

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