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Warum Haare lockig oder glatt sind – die Rolle der Haarfollikel

Frau mit lockigem Haar untersucht Haarstruktur im sonnigen Raum mit Haarmodell und Tablet auf Holztisch.

Wenn dich entweder pokergerades Haar oder unbändig krause Locken nerven, liegt die Ursache nicht zuerst an deiner Wasch- und Föhnroutine – und auch nicht primär an Temperatur oder Luftfeuchtigkeit in deiner Umgebung.

Der Ausgangspunkt sitzt tiefer: unter der Hautoberfläche in Hunderttausenden winziger Haarfollikel, die deine Kopfhaut bedecken.

Bereits 2005 haben Forschende Haarfollikel aus der menschlichen Kopfhaut untersucht und dabei festgestellt: Bei Menschen mit lockigem Haar nimmt die spätere Locke bereits Form an, noch bevor das Haar den Schädel verlässt und über den Kopf fällt.

Ihre Schlussfolgerung damals: Ob Haare lockig oder glatt wachsen, ist im Haarzwiebelbereich des Follikels selbst „programmiert“.

Seitdem hat die Forschung zu Haarfollikeln das Bild verfeinert und der Biologie von Locken mehr Details hinzugefügt. So wird der Mechanismus nach heutigem Kenntnisstand erklärt.

Wie Haarfollikel Locken und glattes Haar formen

Jedes einzelne Haar entsteht in einem Follikel unterhalb der Haut und tritt dann nach und nach durch eine Pore an die Oberfläche.

Steht dieser Follikel senkrecht, wächst das herauskommende Haar in der Regel ebenfalls gerade.

Ist der Follikel dagegen gebogen – etwa wie ein Golfschläger –, dann bildet sich der neu entstehende Abschnitt der Haarfaser bereits gekrümmt. Das funktioniert ähnlich wie in einer „Form“, ist aber komplizierter.

Neuere Hinweise deuten darauf hin, dass sich Zellen auf einer Seite dieser „Form“ anders teilen und anders ausreifen als die Zellen auf der gegenüberliegenden Seite.

Dadurch ist die Zusammensetzung aus Keratin und anderen Bestandteilen nicht rund um die gesamte Haarfaser identisch.

Das Ergebnis ist eine asymmetrische Haarstruktur, die eher dazu neigt, in eine Richtung zu knicken und sich zu locken.

Bei glattem Haar sind die Follikelstrukturen im Vergleich dazu symmetrischer aufgebaut.

Auch wenn zur Wissenschaft der Locken weiterhin vieles ungeklärt ist, kam eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2019 nach Durchsicht der Fachliteratur zu einem zentralen Punkt: Zwar kann die Zusammensetzung eines einzelnen Haares zu seiner späteren Grobheit und Haptik beitragen – ob ein Haar aber gedreht, geknickt oder glatt herauswächst, wird vor allem durch die Form des Haarfollikels bestimmt.

Sobald das Haar die Kopfhaut verlassen hat und vom Kopf weg fällt, behält es die Form, die an seinem „Geburtsort“ angelegt wurde.

Genetik, Haarstruktur und warum „Rassen“-Kategorien nicht tragen

Die Architektur der Haarfollikel ist genetisch mitbestimmt. Deshalb haben Menschen häufig einen ähnlichen Haartyp wie ihre Familienangehörigen.

Haarfollikel sind extrem komplexe Gebilde: In ihnen finden sich unter anderem Stammzellen, Blutgefässe und Drüsen. Zusammengenommen ermöglichen diese Strukturen, dass die faserigen Stränge unseres Haares überhaupt gebildet werden.

Wenn die Haare die Hautoberfläche erst einmal verlassen, verhalten sie sich wie biologische Seile. Die Zellen teilen sich dann nicht mehr und reifen auch nicht weiter aus. Im Wesentlichen bleibt eine tote Keratinfaser zurück. Doch die Zeit im Follikel prägt dauerhaft, wie dieses Haar später aussieht.

Haarformen werden zwar oft nach „Rassen“ eingeordnet, wissenschaftlich lässt sich diese Einteilung jedoch nicht stützen.

Stattdessen argumentiert die Übersichtsarbeit von 2019, dass in jeder Bevölkerung – unabhängig von der Abstammung – ein Spektrum an Haarformen vorkommt, auch wenn bestimmte Lockenmuster in manchen genetischen Linien häufiger sind als in anderen.

Evolution: Wozu sich unterschiedliche Haarfollikel entwickelt haben könnten

Warum sich überhaupt unterschiedliche Haarfollikel herausgebildet haben, ist weiterhin nicht wirklich verstanden. Es gibt jedoch neue Hinweise, die die Theorie stützen, dass Kopfhaar evolutionsbiologisch dazu beigetragen haben könnte, den Körper zu kühlen.

In Experimenten, die 2023 veröffentlicht wurden, setzten Forschende eine thermische Puppe in einer klimatisierten Kammer ein. Trug das Modell eine Perücke aus menschlichem Haar, nahm es weniger Wärme auf, als wenn es kahl war.

Dabei testete das Team mehrere Perückentypen – darunter glattes Haar, locker gelocktes Haar und eng gelocktes Haar.

Alle Perücken sorgten für eine kühlere Kopfoberfläche. Am wirksamsten, um die Puppe vor der von oben einfallenden „Sonnen-“-Strahlung zu schützen, war jedoch lockiges Haar.

Das ist ein spannender Ansatz – gleichzeitig sind die evolutionären Vorteile einzelner Merkmale wie Haar oft ausserordentlich schwer auseinanderzuhalten.

Ihre Wurzeln zu entwirren und die Daten sorgfältig durchzukämmen, bleibt eine Aufgabe, an der Forschende weiterhin arbeiten.

Dieser Artikel wurde von Michael Irving einem Faktencheck unterzogen und von Rebecca Dyer redigiert. So sehr wir auf unseren Prozess achten: Wir sind nur Menschen. Wenn dir ein Fehler auffällt, sag uns bitte Bescheid.


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