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Neue Studie: Haarwachstum bei Mäusen in 20 Tagen durch Stimulation von Fettzellen

Mann betrachtet lachend seine haarlose Kopfhaut im Badezimmerspiegel und berührt seinen Kopf.

Neue Ergebnisse geben Hoffnung in der Forschung zur Umkehr von Haarausfall: Eine aktuelle Studie zeigt, dass sich bei Mäusen innerhalb von 20 Tagen erneutes Haarwachstum anstossen lässt – indem Fettzellen in der Haut rund um die Haarfollikel aktiviert werden.

Ausgangspunkt der Untersuchung: Warum nach Reizung oft Haare nachwachsen

Das Team der National Taiwan University knüpft an das bereits bekannte Phänomen an, dass Hautreizung und Verletzungen nicht selten Haarwachstum auslösen. Die Forschenden wollten genauer verstehen, weshalb dieser Effekt auftritt – und ob sich die zugrunde liegenden Abläufe für Therapien gegen Haarverlust nutzen lassen.

„Die Körper der meisten Säugetiere sind von einem dichten Haarkleid bedeckt, das als erste Schutzbarriere dient“, schreiben der Systembiologe Kang-Yu Tai und Kolleginnen und Kollegen in ihrer veröffentlichten Arbeit.

„Eine Reizung oder Verletzung der epidermalen Hautoberfläche, der zweiten Körperbarriere bei den meisten Säugetieren, sollte das Signal geben, die erste Schutzbarriere – die Haare – nachwachsen zu lassen oder wiederherzustellen.“

„Obwohl Menschen im Verlauf der Evolution an den meisten Körperstellen ihre dichte Behaarung verloren haben, deutet klinische Evidenz darauf hin, dass Reizung oder Verletzung der Hautoberfläche übermässiges Haarwachstum (d. h. Hypertrichose) fördern kann – was nahelegt, dass Menschen diese wichtige regenerative Fähigkeit bewahrt haben.“

Experimente an Mäusen: Rasur, milde Verletzung und Vergleich mit intakter Haut

Für die Versuche wurden Mäuse zunächst rasiert. Anschliessend verursachte das Team gezielt leichte Hautschädigungen – entweder durch chemische Reizstoffe oder durch Hitze. Danach verglichen die Forschenden das Haarwachstum in den betroffenen Arealen mit dem in normaler, ungeschädigter Haut. Dafür setzten sie verschiedene mikroskopische Bildgebungsverfahren ein.

Mechanismus: Entzündung, Makrophagen und Fettsäuren als Startsignal

Die Reizung der Haut führte, so das Ergebnis, zu einer Entzündungsreaktion. In deren Folge wanderten Immunzellen – sogenannte Makrophagen – in das betroffene Gewebe ein. Diese Makrophagen gaben Signale an Adipozyten (Fettzellen), woraufhin die Fettzellen begannen, Fettsäuren freizusetzen. Die Fettsäuren wurden von Haarstammzellen aufgenommen und dienten dort als Auslöser, um den Haarwuchs erneut zu starten.

„Wir zeigen, dass in diesem Kontext die Aktivierung der Adipozyten nachgeschaltet zu einer durch Immunzellen vermittelten lokalen Entzündung in der Kette zellulärer Ereignisse nach einer Hautverletzung erfolgt“, schreiben die Forschenden in ihrer Publikation.

Fettsäure-Serum ohne Verletzung – und was die Methode begrenzt

Nachdem die beteiligten Schritte identifiziert waren, prüfte das Team, ob sich die Verletzung umgehen lässt: Sie trugen ein Serum, das aus denselben Fettsäuren zusammengesetzt war, direkt auf die Haut der Mäuse auf. Auch damit wurde das Nachwachsen der Haare innerhalb von etwa 20 Tagen ausgelöst.

Allerdings gibt es einen wichtigen Vorbehalt: Wirksam war die Behandlung nur bei Haarfollikeln, die sich in einer Ruhephase befinden – also darauf „warten“, erneut das Signal zum Wachstum zu erhalten. Beim menschlichen Kopfhaar verschiebt sich bei kahlen Stellen typischerweise die Dauer dieser Phasen von Haar zu Haar; das ist komplexer als eine einfache Rasur, wie sie bei den Mäusen vorgenommen wurde.

Trotz solcher Einschränkungen sehen die Forschenden im „Wiederaufwecken“ von Haarstammzellen einen Ansatz, der sicher, praktisch und vergleichsweise schnell sein kann – auch wenn offen bleibt, wie breit sich die Methode tatsächlich anwenden lässt. Das Team arbeitet auf klinische Studien hin, um zu prüfen, ob sich der Ansatz auch auf Menschen übertragen lässt.

Zudem ist noch nicht vollständig geklärt, was bei Hautreizung genau im Detail passiert und wie das Immunsystem darauf reagiert – etwa, wodurch im Einzelnen bestimmt wird, dass Makrophagen die Freisetzung von Fettsäuren anstossen.

„Ihr natürliches Vorkommen und ihr etabliertes Sicherheitsprofil deuten auf ein beträchtliches Potenzial für die zukünftige Behandlung von Haarausfall-Erkrankungen hin“, schreiben die Forschenden.

Die Studie wurde in Cell Metabolism veröffentlicht.

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