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Fasten: Warum 7 Tage Wasserfasten die Proteine erst nach 3 Tagen verändern

Frau trinkt Wasser aus Glas am Küchentisch mit geöffnetem Kalender und Flasche Wasser daneben.

Der menschliche Körper kann eine gewisse Zeit ohne Nahrung auskommen, bevor die Risiken einer Unterversorgung so gross werden, dass sie ernsthafte Schäden verursachen.

Unter ärztlicher Aufsicht und mit der richtigen Vorgehensweise gilt Fasten zudem als mögliches Mittel, um verschiedene gesundheitliche Vorteile zu erzielen. Neuere Forschung deutet jedoch darauf hin, dass solche Effekte bei kürzeren oder eher intermittierenden Fastenformen nicht zwingend auftreten.

7 Tage Wasserfasten: Veränderungen der Proteine in den Organen

Eine Forschungsgruppe aus Europa und dem Vereinigten Königreich berichtet, dass es länger als 3 Tage dauerte, bis alle wichtigen Organe ihre Proteinproduktion so umstellten, dass sich daraus potenziell bessere Gesundheitswerte bei Personen ableiten liessen, die ein 7-tägiges reines Wasserfasten absolvierten.

Diese Muster zeigten sich bei allen 12 gesunden Teilnehmenden (fünf Frauen und sieben Männer). Den Personen wurde Blut abgenommen: vor dem Fasten, während der Woche ohne Nahrung und erneut im Anschluss.

„Zum ersten Mal können wir auf molekularer Ebene im ganzen Körper beobachten, was beim Fasten passiert“, erklärt Claudia Langenberg, Epidemiologin an der Queen Mary University of London.

„Unsere Ergebnisse liefern Hinweise auf gesundheitliche Vorteile des Fastens, die über Gewichtsverlust hinausgehen – sichtbar wurden sie jedoch erst nach 3 Tagen vollständiger Kalorienrestriktion, also später als wir bislang angenommen hatten.“

Warum mögliche Effekte erst nach 3 Tagen sichtbar wurden

3 Tage ohne Kalorien sind eine lange Zeitspanne – und genau das ist ein zentraler Punkt: Eine so konsequente Einschränkung erhöht das Risiko deutlich, sodass der erwartete Nutzen nicht für alle Menschen die möglichen Folgen aufwiegt.

In einer früher in diesem Jahr veröffentlichten Auswertung betrachteten die Forschenden rund 3,000 Proteine im Blut der Teilnehmenden. Nach 7 Tagen, in denen ausschliesslich Wasser konsumiert wurde, zeigte etwa ein Drittel dieser Proteine „tiefgreifende systemische Veränderungen“.

Die Proteinverschiebungen, denen die grössten gesundheitlichen Vorteile zugeschrieben wurden, traten jedoch erst nach 3 aufeinanderfolgenden Fastentagen auf. Dazu gehörten Veränderungen, die mit Verbesserungen bei rheumatoider Arthritis sowie mit der Herz-Kreislauf-Gesundheit in Zusammenhang gebracht werden.

Damit stützen die Daten frühere Studien, die ebenfalls nahelegen, dass Fasten mehrere Tage dauern muss, bevor es gegenüber einer blossen Reduktion der Kalorienzufuhr einen zusätzlichen Nutzen entfalten kann.

Viele Proteine kehren ausserdem auf ihr Ausgangsniveau zurück, sobald wieder gegessen wird. Das spricht dafür, dass bestimmte biologische Anpassungen durch Fasten über eine gewisse Dauer anhalten müssen, wenn langfristige gesundheitliche Effekte entstehen sollen.

Risiken des Fastens und wer darauf verzichten sollte

So bedeutsam die beobachteten Veränderungen auch sein mögen: Mehrtägiges Fasten ist nicht ungefährlich, und die möglichen Vorteile sind insgesamt weiterhin nicht eindeutig belegt.

Wird Fasten sicher durchgeführt und von medizinischem Fachpersonal begleitet, kann es zwar gesundheitliches Potenzial haben. Gleichzeitig müssen die Nachteile und Risiken immer individuell abgewogen werden. Ärztinnen und Ärzte raten Kindern, Jugendlichen, Schwangeren sowie Menschen mit Diabetes oder Essstörungen im Allgemeinen davon ab, intermittierendes Fasten zu praktizieren.

Ein weiteres Problem ist Dehydrierung: Rund 20 Prozent der üblichen Flüssigkeitsaufnahme stammen bei vielen Menschen aus der Nahrung. Wer fastet, sollte daher besonders darauf achten, ausreichend Wasser zu trinken.

Tagelanges Fasten kann gefährlich sein. Dennoch besteht die Hoffnung, dass weitere Forschung eines Tages hilft, die möglichen Vorteile des Fastens nachzuahmen, ohne dass Menschen tatsächlich über längere Zeit auf Kalorien verzichten müssen.

In den letzten Jahren deuteten zahlreiche Studien darauf hin, dass intermittierendes Fasten – im Unterschied zum länger andauernden Fasten dieser Untersuchung – einzelne Aspekte der Gesundheit verbessern könnte. Genannt werden dabei Gewichtsverlust, niedrigerer Blutdruck, eine verbesserte Knochendichte und eine bessere Appetitkontrolle.

Einige Experimente fanden sogar Hinweise darauf, dass kurze Phasen von Hunger den natürlichen Alterungsprozess verlangsamen und möglicherweise die Lebensspanne verlängern könnten.

Trotz dieser Ansätze ist bislang nur begrenzt verstanden, was im menschlichen Körper tatsächlich geschieht, wenn er sich an einen Zustand der Unterversorgung anpasst. Klinische Studien sind in diesem Bereich rar – entsprechend fehlt Fachpersonen eine solide evidenzbasierte Grundlage, um Patientinnen und Patienten konkret zu beraten.

„Nahrungsmangel war während der menschlichen Evolution der Normalzustand, und unsere Körper sind das Ergebnis eines Selektionsprozesses hin zu hoher metabolischer Flexibilität, um lange Zeiträume ohne Nahrung zu überstehen“, erklären die Autorinnen und Autoren der Studie.

„Unsere Ergebnisse eröffnen die Möglichkeit, potenzielle gesundheitliche Vorteile des Fastens systematisch zu identifizieren und dieses Wissen in mögliche Interventionen zu übersetzen – auch für Patientinnen und Patienten, die langfristige Fastenprogramme oder fastenimitierende Diäten nicht einhalten können.“

Angesichts der sehr kleinen Stichprobe sind die Resultate kaum geeignet, die Wirkungen des Fastens in einer vielfältigen Bevölkerung verlässlich abzubilden. Das internationale Team hofft jedoch, dass die Daten als wichtiger Referenzpunkt für künftige Fastenforschung dienen.

Die Studie wurde in Nature Metabolism veröffentlicht.

Eine frühere Version dieses Artikels wurde im März 2024 veröffentlicht.

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