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30 Minuten aerobe Bewegung steigern kurzfristig die Kognition bei ADHS – Studie aus Taiwan von Hsiao-I Kuo

Junger Mann auf Heimtrainer bei medizinischer Untersuchung mit Ärztin im weißen Kittel im Hintergrund.

Eine neue Studie von Forschenden in Taiwan kommt zu dem Ergebnis, dass 30 Minuten aerobe Bewegung Menschen mit ADHS kurzfristig einen kognitiven Schub geben können.

Das Team um die Neurowissenschaftlerin Hsiao-I Kuo von der National Taiwan University berichtet zudem, dass herzfrequenzsteigernde Aktivitäten wie zügiges Gehen, Joggen, Schwimmen, Tanzen oder Radfahren bei Personen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) die Hemmung im motorischen Kortex erhöhten. Bei Teilnehmenden ohne ADHS zeigte sich dagegen ein gegenteiliger Effekt.

Hintergrund: Aerobe Bewegung, Kortex und Methylphenidat

Aus früheren Arbeiten ist bekannt, dass aerobe Bewegung bei gesunden Menschen ohne ADHS typischerweise die Erregbarkeit im Kortex – also in jener Schicht, die mit „höherem Denken“ verbunden ist – steigert und zugleich Prozesse dämpft, die die neuronale Aktivität sonst bremsen.

Ein vergleichbares Muster wurde auch beobachtet, wenn Menschen ohne ADHS Methylphenidat einnehmen, ein gängiges ADHS-Medikament, das die Spiegel der Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin erhöht.

Bei Menschen mit ADHS verhält es sich laut den Autorinnen und Autoren anders: Wenn sie das Stimulans Methylphenidat (unter Markennamen wie Ritalin) einnehmen, nimmt die intrakortikale Hemmung zu. Das könnte einen Teil der „fokussierenden“ Wirkung erklären, denn andere Studien fanden, dass Menschen mit ADHS im Allgemeinen deutlich niedrigere Werte intrakortikaler Hemmung aufweisen als die Allgemeinbevölkerung.

Vor diesem Hintergrund stellte das Team die Frage, ob aerobe Bewegung bei ADHS ebenfalls anders wirkt. Wenn sie – ähnlich wie Methylphenidat – die intrakortikale Hemmung „normalisiert“, könnte das dann auch die kognitive Leistungsfähigkeit verbessern?

Studiendesign: Fahrradtraining, Kontrollsitzungen und Messungen

An der Untersuchung nahmen 26 nicht medikamentös behandelte Personen mit ADHS teil, im Durchschnitt etwa 23 Jahre alt und ansonsten gesund. Als Vergleichsgruppe dienten 26 Teilnehmende ohne ADHS.

In zwei getrennten Trainingseinheiten absolvierte jede Person 30 Minuten auf einem stationären Fahrradergometer: zunächst 5 Minuten Aufwärmen, danach 20 Minuten Training und abschliessend 5 Minuten Abkühlen.

Zwei weitere Termine dienten als Kontrollbedingungen: Die Teilnehmenden sassen 30 Minuten auf dem Ergometer und schauten eine Naturdokumentationsreihe.

Vor und nach einer der Trainings- beziehungsweise Kontrollsitzungen prüfte Kuos Team die Leistung in mehreren kognitiven Aufgaben. Eine Aufgabe erfasste die Fähigkeit, eine Handlung auf Aufforderung abzubrechen (als Mass für Inhibitionskontrolle). Eine weitere Aufgabe testete motorisches Lernen, also im Kern das, was häufig als „Muskelgedächtnis“ beschrieben wird.

Vor und nach den jeweils anderen Trainings- und Kontrollsitzungen setzten die Forschenden TMS (transkranielle Magnetstimulation) ein, um die short-interval intracortical inhibition (SICI) sowie die intracortical facilitation (ICF) zu messen.

TMS ermöglicht es, die Stärke von Signalen zwischen motorischem Kortex und Muskeln im Körper zu überprüfen. Das liefert Hinweise auf die Erregbarkeit von Neuronen und darauf, wie Mechanismen moduliert werden, die das Netzwerk insgesamt in Balance halten.

Ergebnisse: SICI, Kognition und Unterschiede zwischen Gruppen

Nach aerober Bewegung stieg die SICI bei den ADHS-Teilnehmenden an. Gleichzeitig zeigten sie nach dem Training bessere Ergebnisse sowohl bei der Inhibitionskontrolle als auch beim motorischen Lernen.

Auch die Teilnehmenden ohne ADHS verbesserten sich nach der Bewegung beim motorischen Lernen. Allerdings nahm bei ihnen die SICI dabei ab, und für die Inhibitionskontrolle ergab sich kein eindeutiger Effekt.

„Eine einzelne Einheit aerober Bewegung erhöht bei Erwachsenen mit ADHS vorübergehend die kortikale Hemmung, die in erster Linie durch das GABAerge System bestimmt wird“, schreiben Kuo und das Team. „Dies könnte zu Verbesserungen der Inhibitionskontrolle und des motorischen Lernens bei ADHS-Patienten führen.“

Ob diese unterschiedlichen Befunde in einem kausalen Zusammenhang stehen, lässt sich aus der Studie nicht ableiten. Dennoch weisen sie klar auf weitere Forschungsperspektiven hin.

Kuo und ihr Team halten fest, dass 30-minütige Einheiten aerober Bewegung bei einigen Menschen mit ADHS kurzfristig die kognitive Leistungsfähigkeit verbessern könnten. Es gebe jedoch keinen Beleg dafür, dass dies als alleinige Strategie ausreicht, und ausserdem sei unklar, wie lange der Effekt anhält.

Die Studie erschien in der Fachzeitschrift Psychiatrische Forschung.

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