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Linkshänder sind konkurrenzorientierter als Rechtshänder – Studie

Frau spielt Tennis auf Platz mit Tafel voller Diagramme und Sportausrüstung auf Bank im Vordergrund.

Linkshändige Menschen scheinen einen ausgeprägteren Hang zum Wettbewerb zu haben als Rechtshändige – selbst dann, wenn sich die reine Geschwindigkeit der Hände nicht unterscheidet.

Damit verschiebt sich ein möglicher Vorteil weg von der Handmotorik hin zur Einstellung: Der Befund stützt eine ältere Idee dazu, weshalb Linkshändigkeit nicht einfach aus der Bevölkerung verschwunden ist.

Was die Daten zeigten

In einer fragebogenbasierten Auswertung mit 1,129 Erwachsenen fielen die am stärksten linkshändigen Personen weniger durch „schnellere Hände“ auf, sondern vielmehr durch mehr Wettkampfgeist.

Auf Grundlage dieser Angaben verglich Giulia Prete, ausserordentliche Professorin an der Gabriele d’Annunzio University of Chieti-Pescara (Ud’A), Personen mit besonders ausgeprägter Händigkeit.

Verglichen wurden 50 stark linkshändige mit 483 stark rechtshändigen Teilnehmenden. Der deutlichste Unterschied zeigte sich bei Kennwerten, die eng mit dem Wunsch zu gewinnen zusammenhängen.

Das bedeutet nicht, dass Linkshändige grundsätzlich aggressiver wären. Es legt aber nahe, die Erklärung weniger in körperlicher Überlegenheit zu suchen, sondern eher in psychologischen Faktoren.

Wie sich Konkurrenz unterschied

Wettbewerb wurde in mehrere Antriebe aufgeteilt – und Linkshändige lagen dabei nicht in jeder Facette gleichermassen vorn.

Am klarsten war der Vorsprung bei einer hyperkompetitiven Ausrichtung: dem starken Bedürfnis, andere zu schlagen, statt bei breit gefassten Persönlichkeitsmerkmalen.

Zugleich ging eine stärkere Linkshändigkeit mit geringerer ängstlich motivierter Vermeidung einher – Wettbewerb wurde von diesen Personen also weniger als Bedrohung erlebt.

Gerade in direkten Duellen zählt nicht nur, wie gut jemand ist. Ebenso wichtig ist, ob man überhaupt bereit ist, in den Wettstreit einzusteigen.

Handleistung im Test

Im Labor mussten die Teilnehmenden neun Stifte (Pegs) so schnell wie möglich einsetzen und wieder herausnehmen – erst mit der einen Hand, dann mit der anderen.

Dieses psychologische Muster schlug sich jedoch nicht in einem eindeutigen Vorteil bei der körperlichen Leistung nieder.

Bei den Rechtshändigen waren 11 of 24 sogar mit der linken Hand schneller; und bei den Linkshändigen zeigte etwa die Hälfte das umgekehrte Bild.

Weil die Aufgabe somit nicht sauber zur angegebenen Handpräferenz passte, wirkte der Unterschied eher wie ein mentaler, bevor er als körperlicher sichtbar wurde.

Evolutionäre Erklärung für die Seltenheit

Linkshändigkeit ist weiterhin eine Minderheiten-Eigenschaft; eine grosse Metaanalyse nennt als beste Schätzung 10.6 percent weltweit.

Als Erklärung wird oft eine evolutionär stabile Strategie (Evolutionarily Stable Strategy) diskutiert – also ein Gleichgewicht, bei dem verschiedene Merkmale bestehen bleiben, weil sie unter bestimmten Bedingungen jeweils Vorteile bringen.

Ein Beitrag argumentierte, dass Mehrheiten sich besser koordinieren, während seltene Linkshändige in direkten Konflikten von ihrer „Ungewöhnlichkeit“ profitieren können.

Die neuen Ergebnisse passen zu dieser Logik: Der wahrscheinliche Vorteil könnte eher in einer konkurrenzbetonten Denkweise liegen als in einer stärkeren oder schnelleren Hand.

Linkshänder-Vorteil im Sport

Im Sport hält sich diese Vorstellung seit Langem, weil Linkshändige in direkten, gegnerbezogenen Disziplinen überdurchschnittlich oft vertreten sind.

Da die meisten Athletinnen und Athleten überwiegend gegen Rechtshändige trainieren, kann ein seltener linkshändiger Stil Timing, Aufmerksamkeit und Entscheidungsfindung stören.

Eine frühere Untersuchung mit französischen Männern berichtete, dass es unter Linkshändigen, die bereits in Auseinandersetzungen verwickelt waren, mehr Kämpfe gab – ausserdem wurde bei Studenten ein höherer durchschnittlicher Testosteronwert gefunden.

Trotzdem sind Sport und Schlägereien nicht der Alltag. Solche Hinweise allein können daher nicht endgültig erklären, weshalb Linkshändigkeit überall bestehen bleibt.

Was sich nicht veränderte

Mehrere verbreitete Annahmen über Linkshändige hielten einer direkten Prüfung in dieser Studie nicht stand.

Weder Depressions- und Angstwerte noch zentrale Persönlichkeitsdimensionen trennten Linkshändige zuverlässig von Rechtshändigen.

Auch ein aktueller Überblick fand keinen starken Zusammenhang zwischen Linkshändigkeit und Angst im Erwachsenenalter – wodurch das hier beobachtete Null-Ergebnis nicht aus dem Rahmen fällt.

Der Wettbewerbseffekt wirkt insgesamt klarer, wenn er nicht mit zusätzlichen Behauptungen zu Persönlichkeit oder psychischen Erkrankungen vermischt wird.

Wettbewerbswerte nach Geschlecht

Auch das Geschlecht beeinflusste das Bild: Über die gesamte Stichprobe hinweg erzielten Männer höhere Werte bei den Wettbewerbsmaßen.

Frauen berichteten dagegen höhere Werte für Angst, Depression und emotionale Instabilität – im Einklang mit breiteren Befunden aus der psychischen Gesundheitsforschung.

Allerdings war die Stichprobe stark weiblich geprägt, und in der Gruppe der am stärksten linkshändigen Personen gab es nur 11 linkshändige Männer.

Diese Unwucht spricht dafür, den Händigkeitseffekt höher zu gewichten als Aussagen darüber, wie sich Geschlecht und Händigkeit gemeinsam auswirken.

Grenzen des Studiendesigns

Das zentrale Ergebnis sollte mit einigen nüchternen Vorbehalten betrachtet werden, die aus der Zusammensetzung der Stichprobe folgen.

Die meisten Teilnehmenden wurden über eine Online-Umfrage rekrutiert, die zunächst unter Studierenden zirkulierte und sich dann auf Freunde sowie Eltern ausweitete – es handelte sich also nicht um eine breit angelegte Bevölkerungsstichprobe.

Ausserdem wurden weder tatsächliche Siege und Niederlagen noch Hormonwerte erfasst; der vermutete Mechanismus bleibt daher eher plausibel als abschliessend belegt.

Entsprechend ist der Befund am ehesten als Hinweis für gesunde junge Erwachsene zu lesen – nicht als allgemeingültige Regel.

Implikationen der Ergebnisse

Erfolg im Wettbewerb hängt zum Teil von Können ab, aber ebenso davon, wer überhaupt antritt.

Schon eine kleine Abnahme von Vermeidung kann in Eins-gegen-eins-Situationen relevant sein, weil Zögern Entscheidungen beeinflusst, noch bevor Talent sichtbar wird.

„Unsere Ergebnisse bestätigen diese Hypothese in erheblichem Masse“, schrieb Prete. Dennoch geht die Arbeit nicht so weit zu behaupten, dass Linkshändige ausserhalb eng definierter Wettkampfsituationen grundsätzlich häufiger gewinnen.

Nächste Schritte für die Forschung

Die Untersuchung deutet darauf hin, dass Linkshändigkeit möglicherweise nicht wegen besserer Handleistung bestehen bleibt, sondern weil Wettbewerb subjektiv anders erlebt wird.

Erst grössere und ausgewogener zusammengesetzte Stichproben sowie direkte Tests realer Leistung in der Praxis werden zeigen, wie weit dieser mögliche psychologische Vorteil tatsächlich reicht.

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