Viele Menschen sind enttäuscht, wenn nach einer Diät das Gewicht wieder ansteigt. Eine Langzeitstudie deutet jedoch darauf hin, dass der Körper trotzdem profitieren kann – selbst dann, wenn es zur Gewichtszunahme kommt.
Ein Forschungsteam der Ben-Gurion-Universität des Negev begleitete Erwachsene über einen Zeitraum von bis zu 10 Jahren, um zu untersuchen, was im Körper bei wiederholten Abnehmversuchen tatsächlich passiert.
Die Ergebnisse legen nahe, dass gesundheitliche Verbesserungen deutlich länger anhalten können als es die Anzeige auf der Waage vermuten lässt.
Was ist Jo-Jo-Diäten?
Als Jo-Jo-Diäten bezeichnet man das wiederkehrende Muster, Gewicht zu verlieren und es später erneut zuzulegen. Viele befürchten, dass dieser Wechsel dem Körper schaden könnte.
Frühere Untersuchungen zum Jo-Jo-Diäten kamen zu uneinheitlichen Schlussfolgerungen: Einige Arbeiten sahen mögliche Risiken, andere fanden kaum Hinweise auf negative Effekte.
Die neue Studie setzte den Schwerpunkt auf einen Aspekt, der aussagekräftiger sein kann als das Körpergewicht: Fettdepots tief im Bauchraum, das sogenannte viszerale Fett.
Dieses Fett liegt um Organe wie Leber und Bauchspeicheldrüse. Hohe viszerale Fettmengen werden mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und weiteren Stoffwechselproblemen in Verbindung gebracht.
Die Forschenden wollten herausfinden, ob eine erneute Teilnahme an einem strukturierten Abnehmprogramm selbst nach einer Gewichtszunahme weiterhin Vorteile bringen kann.
Zwei grosse Lebensstil-Studien
Analysiert wurden Teilnehmende aus zwei umfangreichen klinischen Studien: CENTRAL und DIRECT PLUS. Zusammen umfassten beide Studien 480 Personen.
Beide Programme liefen über 18 Monate. Die Teilnehmenden ernährten sich nach mediterran geprägten Kostformen oder vergleichbaren, gesundheitsorientierten Ernährungsplänen.
Einige Gruppen reduzierten Kohlenhydrate, andere setzten auf fettärmere Ernährung, und weitere folgten einer grünen Mittelmeerdiät mit besonders vielen pflanzlichen Lebensmitteln, Walnüssen, grünem Tee und einer Pflanze namens Mankai.
Alle Teilnehmenden erhielten Unterstützung zur körperlichen Aktivität. Viele bekamen Fitnessstudio-Mitgliedschaften und nahmen an Trainingseinheiten teil.
Zur Erfassung verschiedener Bauchfettarten nutzte das Team moderne MRT-Untersuchungen. Damit liessen sich viszerales Fett, tiefes subkutanes Fett und oberflächliches subkutanes Fett sehr präzise bestimmen.
Zusätzlich wurden Blutuntersuchungen durchgeführt, unter anderem zu Insulinresistenz, Cholesterinwerten und weiteren Markern der Stoffwechselgesundheit.
Was nach der Gewichtszunahme zu beobachten war
Als Teilnehmende für ein zweites Programm wiederkamen, lag ihr Körpergewicht ungefähr auf dem Niveau vor der ersten Intervention – ein Hinweis darauf, dass das zuvor verlorene Gewicht wieder zugenommen worden war.
Die MRT-Daten zeigten jedoch einen entscheidenden Unterschied: Das viszerale Fett war im Vergleich zum ursprünglichen Ausgangspunkt um etwa 16 Prozent gesunken.
Ausserdem nahm das tiefe subkutane Fett um rund 20 Prozent ab. Das oberflächliche Fett verringerte sich um fast 29 Prozent.
Auch die Insulinresistenz, erfasst über HOMA IR, verbesserte sich. Ebenso günstiger wurde das Verhältnis von Triglyzeriden zu HDL-Cholesterin.
Der Körper merkt sich gesunde Gewohnheiten
„Persistent commitment to a healthy dietary change creates cardiometabolic memory in the body,“ sagte die Co-Autorin der Studie, Professorin Iris Shai.
„Repeated participation in a lifestyle program aimed at weight loss, even after an apparent “failure,” in which an individual regains all the weight lost in a previous diet- may lead to significant and sustainable health benefits over the years, particularly through the reduction of harmful visceral (abdominal) fat.“
Mit dem Konzept des kardiometabolischen Gedächtnisses ist gemeint, dass der Körper frühere gesunde Verhaltensweisen „abspeichert“. Selbst wenn das Gewicht später wieder steigt, können bestimmte innere Verbesserungen bestehen bleiben.
Dauerhafte Effekte trotz Jo-Jo-Diäten
Im zweiten Programm fiel die Gewichtsabnahme geringer aus. In der ersten Phase sank das Gewicht um etwa 3.5 Prozent. In der zweiten Phase waren es rund 1.5 Prozent. Auch die Abnahme des Bauchfetts war beim zweiten Mal weniger ausgeprägt.
Der Einsatz im Lebensstilprogramm blieb jedoch ähnlich. Weder die Reduktion der Kalorienzufuhr noch die Steigerung der körperlichen Aktivität unterschieden sich stark zwischen Erstteilnehmenden und jenen, die erneut mitmachten.
Das spricht dafür, dass die abgeschwächte Reaktion eher auf natürliche Anpassungen des Körpers nach früherer Gewichtsabnahme zurückgeht – und nicht auf mangelnde Anstrengung.
„Body weight alone does not capture changes in visceral fat or metabolic biomarkers. Even when weight is regained, cardiometabolic health may remain improved, and success should not be defined solely by the number on the scale,“ sagte Hadar Klein, Hauptautor der Studie.
„Importantly, even when weight loss is attenuated during a second attempt, the cumulative benefits for abdominal fat and metabolic health are substantial.“
Langfristige Gesundheitsverläufe
Fünf Jahre nach Abschluss des zweiten Programms nahmen Personen, die an beiden Studien teilgenommen hatten, weniger Gewicht wieder zu als jene, die nur einmal dabei waren.
Bei den Wiederteilnehmenden lag die Gewichtszunahme nahe bei null Prozent, während sie bei den einmal Teilnehmenden bei fast 3 Prozent lag.
Auch beim tiefen Bauchfett fiel die erneute Zunahme bei Wiederteilnehmenden deutlich geringer aus. Beim oberflächlichen Fett war die Zunahme ebenfalls niedriger. Das viszerale Fett blieb bei Wiederteilnehmenden über die Zeit stabiler. Einige Stoffwechselmarker, etwa Taillenumfang und Insulinresistenz, zeigten ebenfalls eine höhere Stabilität.
Zehn Jahre nach der ersten Studie waren viele positive Effekte bei Personen, die nur einmal teilgenommen hatten, wieder abgeschwächt. Wer zweimal teilnahm, zeigte dagegen über lange Zeit eine bessere Stabilität bei mehreren Gesundheitsmarkern.
Warum das wichtig ist
Die Ergebnisse stellen die Annahme infrage, dass wiederholtes Diäten grundsätzlich nutzlos oder schädlich sei. Selbst wenn das Gewicht zurückkommt, können relevante Veränderungen im Körper bestehen bleiben.
Viszerales Fett reagiert besonders stark auf gesunde Ernährung und regelmässige Bewegung. Für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselgesundheit ist dieses Fett häufig bedeutsamer als das reine Körpergewicht.
Die Aussage der Studie ist damit ermutigend: Eine Rückkehr zu ausgewogener Ernährung und körperlicher Aktivität kann die langfristige Gesundheit weiterhin unterstützen. Der Körper könnte jeden Anlauf gewissermassen „mitnehmen“. Auch wenn die Waage keinen grossen Unterschied zeigt, kann sich im Inneren deutlich mehr verändern.
Die Studie wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (German Research Foundation) gefördert.
Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift BMC Medicine veröffentlicht.
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