Die meisten Tipps zum Klimaschutz wirken riesig und schwer greifbar: alles elektrifizieren, den Arbeitsweg komplett umstellen, das Zuhause aufwendig sanieren.
Neue Forschung kommt jedoch zu dem Schluss, dass sich der eigene CO2-Fußabdruck auch mit etwas deutlich Alltäglicherem spürbar senken lässt – mit dem, was auf dem Teller landet.
Die Untersuchung zeigt: Wer Fleisch- und Milchprodukte durch eine fettarme vegane Ernährung ersetzt, in der täglich eine halbe Tasse Sojabohnen vorgesehen ist, kann die ernährungsbedingten Treibhausgasemissionen innerhalb von 12 Wochen um 35 % reduzieren.
Die Forschenden übersetzen diesen Rückgang in ein leicht verständliches Bild: Für eine durchschnittliche Person entspricht das ungefähr dem, als würde man pro Jahr rund 965 Kilometer (600 Meilen) Autofahrt einsparen.
Leitautorin der Studie ist Hana Kahleova, Direktorin für klinische Forschung beim Physicians Committee for Responsible Medicine.
„Wenn Sie nach einer wirksamen Möglichkeit suchen, Ihren CO2-Fußabdruck zu verkleinern, fangen Sie mit dem an, was auf Ihrem Teller liegt“, sagte Kahleova.
„Dieser Wechsel kann Ihnen helfen, Ihre Treibhausgasemissionen so stark zu senken wie durch den Verzicht auf 600 Meilen Autofahren.“
Schwerpunkt der Forschung
Es handelte sich nicht um eine Umfrage, in der Menschen lediglich einschätzen, was sie angeblich essen. Stattdessen stützte sich die Auswertung auf Ernährungsprotokolle aus einer randomisierten klinischen Studie mit postmenopausalen Frauen.
Eine Gruppe stellte für 12 Wochen auf eine fettarme vegane Ernährung um und aß täglich eine halbe Tasse Sojabohnen. Die Kontrollgruppe setzte ihre gewohnte Ernährung fort.
Anschließend verknüpften die Forschenden die gemeldete Nahrungsaufnahme der Teilnehmenden mit Datenbanken zu Umweltauswirkungen – also mit Werkzeugen, die abschätzen, wie viel Treibhausgasbelastung und Energieaufwand mit der Herstellung unterschiedlicher Lebensmittel verbunden ist.
Die Fragestellung war damit klar: Wenn sich der Inhalt des Tellers ändert, wie stark verändert sich dann die ökologische „Rechnung“?
Ernährungsweisen können Emissionen deutlich senken
In der veganen Gruppe gingen die Treibhausgasemissionen um 35 % zurück, während sich in der Kontrollgruppe nichts veränderte.
Fachlich ausgedrückt sank die Treibhausgasbilanz in der veganen Gruppe um 662.7 g CO2-eq pro Person und Tag.
Laut Studie war der Rückgang „hauptsächlich darauf zurückzuführen“, dass Fleisch und Milchprodukte reduziert wurden. Das überrascht wenig, da tierische Produkte im Vergleich zu den meisten pflanzlichen Lebensmitteln üblicherweise deutlich höhere Emissionen verursachen.
Zusätzlich betrachtete das Team den sogenannten kumulativen Energiebedarf (CED). Damit ist die gesamte Energiemenge gemeint, die für die Produktion von Lebensmitteln erforderlich ist – einschließlich Verarbeitung, Verpackung, Transport, Lagerung sowie Umgang mit Abfällen.
Auch dieser Wert sank in der veganen Gruppe deutlich, nämlich um 34 %, während die Kontrollgruppe wiederum keine nennenswerte Veränderung zeigte.
Um das einzuordnen, nutzten die Forschenden erneut einen Alltagsvergleich: Die Verringerung des CED entspricht ungefähr der Strommenge, die nötig ist, um ein durchschnittliches US-Haus rund zwei Stunden lang mit Elektrizität zu versorgen.
„Diese Forschung zeigt, dass der Ersatz von Fleisch und Milchprodukten durch pflanzliche Lebensmittel die Emissionen drastisch senken kann – und gleichzeitig die Gesundheit verbessert“, sagte Kahleova.
Die gesundheitlichen Ergebnisse waren ebenfalls deutlich
Diese Auswertung konzentrierte sich zwar auf Umweltwirkungen, sie basierte jedoch auf einer klinischen Studie, in der parallel auch gesundheitliche Veränderungen dokumentiert wurden.
In dieser ursprünglichen Studie verzeichneten Teilnehmende der veganen Gruppe demnach eine Reduktion starker Hitzewallungen um 92 % und nahmen im Durchschnitt etwa 3,6 Kilogramm (8 Pfund) ab.
Auffällig war außerdem: Je stärker die Treibhausgasemissionen zurückgingen, desto deutlicher besserten sich tendenziell die starken Hitzewallungen. Diese Korrelation deutet darauf hin, dass die Ernährungsumstellung mehrere Effekte gleichzeitig hatte.
Warum Sojabohnen Teil des Plans waren
Die Ernährung war nicht einfach nur allgemein „pflanzlich“ gehalten, sondern sah konkret täglich eine halbe Tasse Sojabohnen vor.
Das ist relevant, weil Soja zu den unkompliziertesten Möglichkeiten zählt, in einer veganen Ernährung eine solide Proteinversorgung sicherzustellen. Zudem wird es häufig als Alternative zu tierischen Proteinquellen genutzt, die mit höheren Emissionen verbunden sind.
Die Studie stellt dabei nicht die Behauptung auf, Sojabohnen seien für sich genommen ein Wundermittel. Der entscheidende Hebel war das Weglassen von Fleisch und Milchprodukten. Soja trug jedoch dazu bei, die Kost für die Teilnehmenden praktikabler und ernährungsphysiologisch vollständiger zu gestalten.
Kleine individuelle Veränderungen summieren sich
Die Autorinnen und Autoren beschreiben die Ernährung als einen der schnellsten und am leichtesten zugänglichen Klimaschalter, den Menschen betätigen können – ohne auf große Infrastrukturmaßnahmen warten zu müssen.
„Ernährungsentscheidungen gehören zu den unmittelbarsten Maßnahmen, die Einzelne ergreifen können, um Klimaverschmutzung zu reduzieren“, erklärte Kahleova.
„Schon moderate Veränderungen könnten, wenn sie breit übernommen werden, einen spürbaren Einfluss auf den Klimawandel haben.“
Die Argumentation dahinter ist schlicht: Die Lebensmittelproduktion ist eine bedeutende Quelle klimaschädlicher Emissionen, und Ernährungsweisen mit hohem Anteil tierischer Produkte verursachen im Allgemeinen deutlich mehr Treibhausgasemissionen als stärker pflanzenbasierte Kost.
Die Studie verweist zudem auf eine gesellschaftliche Öffnung: Eine aktuelle Umfrage ergab, dass fast die Hälfte der US-Amerikanerinnen und -Amerikaner in Betracht ziehen würde, zur Emissionsreduktion pflanzenbasiert zu essen.
Die eigentliche Hürde besteht natürlich darin, aus „ich könnte es mir vorstellen“ ein „ich mache es auch an einem ganz normalen Dienstag“ werden zu lassen.
Dennoch liefert die Studie eine klare Schlussfolgerung: Wer eine Klimaschutzmaßnahme sucht, die sofort umsetzbar und messbar ist, liegt mit einer Veränderung beim Abendessen nicht falsch.
Die Forschung wurde in der Zeitschrift BMJ Nutrition, Prevention & Health veröffentlicht.
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