Seit Jahren steigt das Körpergewicht in den USA deutlich an. Fast ein Drittel der Erwachsenen gilt als übergewichtig, und inzwischen leben rund 43 Prozent mit Adipositas.
Seit Langem stellt sich die Forschung die Frage, wie stark dieser Trend bereits in der Phase des Übergangs ins Erwachsenenleben geprägt wird. Eine Langzeituntersuchung mit Studierenden liefert dazu nun neue Hinweise.
Die Studie begleitete Teilnehmende ab dem Studienbeginn und befragte sie mehr als ein Jahrzehnt später erneut.
Die zentrale Erkenntnis ist unkompliziert: Wer mit gesünderen Routinen ins Erwachsenenalter startete und diese beibehielt, nahm im Verlauf der Jahre tendenziell weniger zu.
Wenn Gewohnheiten sich festigen
Der Schritt von der Highschool ins Erwachsenenleben ist ein Einschnitt. Junge Erwachsene entscheiden plötzlich selbst, wann sie schlafen, was sie essen und ob sie sich bewegen. Was sich zunächst wie eine vorübergehende Phase anfühlen kann, wird jedoch häufig zur Gewohnheit.
Genau diese Lebensphase nahmen die Forschenden besonders genau in den Blick. Sie wollten herausfinden, ob Verhaltensweisen aus der Zeit vor dem Studium bis ins Erwachsenenalter fortbestehen – und ob solche Muster das Gewicht langfristig beeinflussen.
Dan Hatfield, Professor an der Tufts University und leitender Autor der Studie, erläuterte, weshalb diese Zeitspanne so entscheidend ist.
„Das College ist dieses kritische Zeitfenster, in dem junge Menschen neu gewonnene Autonomie haben und ihre eigenen Entscheidungen rund um körperliche Aktivität, Ernährung und andere Gesundheitsverhaltensweisen stärker treffen als in früheren Jahren“, sagte er.
„College-Studierende auf einen Weg zu bringen, der ihnen hilft, gesunde Verhaltensweisen beizubehalten oder anzunehmen, kann langfristige Folgen für Gesundheit und Wohlbefinden haben.“
Studierende über Jahrzehnte hinweg beobachten
Das Projekt verfolgte mehrere Tausend Studierende der Tufts University ab ihrem ersten Tag auf dem Campus. Zwischen 1998 und 2007 füllten 4.641 Studienanfängerinnen und -anfänger Fragebögen zu ihren Alltagsgewohnheiten aus.
Dabei gaben die Studierenden an, wie häufig sie Obst, Gemüse und Milchprodukte verzehrten. Zusätzlich beschrieben sie ihren Schlafrhythmus, ihr Aktivitätsniveau sowie ihren allgemeinen Ernährungsstil.
Außerdem machten die Teilnehmenden Angaben zu Körpergröße und Gewicht sowie zu Basisdaten wie Alter und Geschlecht. Viele Jahre später wandte sich das Forschungsteam erneut an genau diese Personen.
Im Jahr 2018 beantworteten 970 Alumni aus der ursprünglichen Gruppe einen weiteren Fragebogen. Dass Menschen nach 11 bis 20 Jahren erneut erreicht werden, ist in der Forschung eher selten – das Alumni-Netzwerk der Universität machte es hier möglich.
Durch die lange Zeitspanne konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ungewöhnlicher Detailtiefe nachvollziehen, wie sich frühe Routinen ins Erwachsenenalter fortsetzen.
Drei Muster im Lebensstil
Um Teilnehmende anhand ihrer Verhaltensweisen zu gruppieren, nutzte das Team ein statistisches Verfahren, die Latent-Class-Analyse.
Dabei ergaben sich drei übergeordnete Kategorien: gesund, mäßig gesund und minimal gesund.
In den gesünderen Gruppen zeigten sich Verhaltensmuster, die mit besserer Gesundheit in Zusammenhang stehen – etwa ein höherer Obst- und Gemüsekonsum sowie mehr körperliche Aktivität. Anschließend wurde ausgewertet, wie sich Menschen im Verlauf der Zeit zwischen diesen Kategorien bewegten.
Insgesamt traten fünf mögliche Verläufe auf: Einige blieben durchgehend in der gesunden Gruppe. Andere verharrten dauerhaft in der mäßig gesunden oder in der minimal gesunden Kategorie. Ein Teil verbesserte seine Gewohnheiten, während sich bei einer weiteren Gruppe die Verhaltensweisen verschlechterten.
Am häufigsten war der Verlauf „stabil mäßig gesund“ – er betraf 36,7 Prozent der Teilnehmenden.
Ungefähr die Hälfte behielt die gleichen Lebensstilmuster bei, die bereits vor dem Studium bestanden. Bei weiteren 31,7 Prozent verschlechterten sich die Verhaltensweisen, während 18,6 Prozent Verbesserungen zeigten.
Wie sich das Gewicht im Zeitverlauf entwickelte
Die Veränderungen im Lebensstil spiegelten sich deutlich in den Gewichtsentwicklungen wider. Zwei Drittel der Teilnehmenden blieben in einem Bereich, der als gesundes Gewicht eingestuft wurde.
Ein Viertel wechselte dagegen in eine ungünstigere Gewichtskategorie, während weniger als ein Prozent in eine günstigere Gewichtskategorie wechselte. Die übrigen Personen blieben entweder stabil übergewichtig oder stabil adipös.
Über den gesamten Studienzeitraum hinweg verdoppelte sich der Anteil der als übergewichtig eingestuften Personen mehr als – von 12 Prozent auf 26 Prozent. Adipositas nahm sogar um das Vierfache zu: von zwei Prozent auf acht Prozent.
Trotz dieser Zunahmen lagen die Anteile für Übergewicht und Adipositas in dieser Gruppe weiterhin unter den Werten der US-Bevölkerung insgesamt.
Die Forschenden wiesen zugleich darauf hin, dass Studierende einer einzelnen Universität nicht zwingend die gesamte Bandbreite an Lebensstilen im Land abbilden.
Warum Hochschul-Campusse wichtig sind
Hochschulen könnten ein besonders wirksamer Ort sein, um gesündere Routinen zu fördern. Da jedes Jahr Millionen Studierende solche Umgebungen durchlaufen, könnten schon kleinere Veränderungen langfristige Verhaltensweisen beeinflussen.
Christina Economos, leitende Wissenschaftlerin der Tufts Longitudinal Health Study, ordnete die Ergebnisse in einen größeren Zusammenhang ein.
„Die Adipositas-Frage über die Zeit aus unterschiedlichen Blickwinkeln und in verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu untersuchen, ist entscheidend, um bei einem komplexen Thema voranzukommen“, sagte sie.
„Mit jeder Studie wie dieser erweitern wir unser eigenes Verständnis einer Erkrankung, die sowohl Einzelpersonen als auch politische Entscheidungsträgerinnen und -träger gleichermaßen beschäftigt hat. Diese neuesten Ergebnisse deuten darauf hin, dass Hochschul-Campusse mit Initiativen, die gesundes Verhalten fördern und gewichtsbezogene Gesundheitsresultate verbessern, eine Rolle spielen könnten.“
Hatfield verwies auf konkrete Ansatzpunkte, mit denen Hochschulen solche Gewohnheiten unterstützen können. „Hochschul-Campusse können Einzelpersonen einen Teil der Last abnehmen, gesunde Entscheidungen zu treffen, indem sie diese Optionen einfacher und besser zugänglich machen“, sagte er.
Als Beispiele nannte er Nährwertkennzeichnungen in Mensen, Essen ohne Tabletts, gesundheitsorientierte Wohnheime, Aufklärung zu Schlaf, sowie verpflichtende Kurse zur körperlichen Aktivität.
Gewohnheiten, die über den Campus hinaus bestehen
Die Studie macht sichtbar, was viele vermuten, aber selten so systematisch gemessen wird: Früh etablierte Gewohnheiten bleiben oft erhalten.
Die Jahre unmittelbar vor und während des Studiums prägen, wie Menschen essen, schlafen und sich bewegen – und diese Muster können lange nach dem Abschluss weiterwirken.
Auch wenn Hochschulen helfen können, gesündere Routinen zu unterstützen, spielen Einflüsse aus der Familie und aus früheren Lebensphasen ebenfalls eine Rolle.
Was als kleine Entscheidung in der Übergangsphase ins Erwachsenenleben beginnt, kann die Gesundheit über Jahre hinweg unauffällig mitbestimmen.
Die vollständige Studie erschien in der Fachzeitschrift Nutrients.
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