Waschen Sie sich wirklich jedes Mal die Hände, wenn Sie auf der Toilette waren? Und machen Sie das auch immer, bevor Sie mit Lebensmitteln umgehen? Seien Sie ehrlich.
Der australische Informationsrat für Lebensmittelsicherheit hat seine neueste Art „Zeugnis“ zum Händewaschen veröffentlicht. Demnach waschen 19% der Australierinnen und Australier ihre Hände nicht nach jedem Toilettengang. Fast die Hälfte (42%) gibt zudem zu, sich vor dem Umgang mit Lebensmitteln nicht immer die Hände zu waschen.
Damit stellt sich die Frage: Wer hält die Handhygiene gut ein, wer weniger – und weshalb ist das überhaupt wichtig?
Was hat der Bericht ergeben?
Für den neuen Bericht wurden 1.229 Personen zu ihren Gewohnheiten beim Händewaschen befragt. Insgesamt passen die Ergebnisse zu dem, was aus vergleichbaren Umfragen bereits bekannt ist.
Wie schon zuvor schneiden Frauen beim Händewaschen nach dem Toilettengang besser ab als Männer – allerdings nur knapp: 80% der Männer sagen, sie machten das jedes Mal, bei den Frauen sind es 83%. Beim Händewaschen vor dem Kontakt mit Lebensmitteln fällt der Unterschied deutlicher aus: Nur 55% der Männer waschen vorher ihre Hände, gegenüber 62% der Frauen.
Auch das Alter scheint eine Rolle zu spielen. Bei den Unter-34-Jährigen waschen sich 69% nach eigener Aussage nach jedem Toilettengang die Hände. Bei den über 65-Jährigen steigt dieser Wert auf 86%.
Auch wenn manche Abstände nicht überraschend sind – etwa die Differenz zwischen Männern und Frauen – bleibt unklar, wodurch diese Unterschiede genau zustande kommen.
Warum waschen sich Menschen nicht die Hände?
Botschaften aus dem öffentlichen Gesundheitswesen drehen sich häufig darum, wie man die Hände richtig wäscht. Deutlich seltener wird jedoch untersucht, wie verbreitet diese Empfehlungen tatsächlich umgesetzt werden. Um zu verstehen, warum Menschen Seife und Wasser auslassen, ist aber entscheidend zu wissen, ob die Hinweise überhaupt wirksam ankommen.
Eine Studie zu dieser Frage in Indien befragte Schulkinder nach Hürden beim Händewaschen. Die grosse Mehrheit (91%) hatte eine niedrige „Wahrnehmung einer Krankheitsbedrohung“. Anders gesagt: Sie sahen schlicht kein Risiko, durch fehlendes Händewaschen nach dem Toilettengang krank zu werden.
Auffällig ist, dass die Unsichtbarkeit von Keimen als eine der grössten Barrieren genannt wurde – 46% der Kinder verwiesen darauf, dass sie Keime nicht mit eigenen Augen sehen können. Gleichzeitig sagten 72%, sie würden sich die Hände waschen, wenn ihre Freundinnen und Freunde es auch täten.
Es liegt nahe zu vermuten, dass ähnliche Gründe auch bei anderen Altersgruppen eine Rolle spielen könnten. Allerdings gibt es dazu insgesamt zu wenig Forschung. Warum Menschen sich die Hände waschen – oder eben nicht – dürfte sich im Verlauf des Lebens und je nach Lebensumständen verändern.
Welche Risiken entstehen?
Urin und Stuhl enthalten Millionen von Keimen – besonders Stuhl, der pro Gramm mehr als 100 Milliarden Keime enthalten kann.
Bei der Toilettennutzung und beim Berühren von Oberflächen im Bad nehmen Sie Keime auf. Wer dann ohne Händewaschen den Raum verlässt, trägt diese Keime weiter und hinterlässt sie auf jeder Oberfläche, die danach berührt wird.
Möglicherweise werden Sie selbst nicht krank, dennoch fördern Sie die Verbreitung von Bakterien. Dadurch steigt das Risiko für Infektionen und Erkrankungen bei anderen – einschliesslich Menschen mit geschwächtem Immunsystem, etwa älteren Personen oder Menschen, die gängige Krebsbehandlungen erhalten.
Auch vor dem Kochen und Essen ist Händewaschen wichtig. Hier gibt es zwei Richtungen des Risikos: Wenn sich krankmachende Keime auf Ihren Händen befinden (zum Beispiel, weil Sie nach dem Toilettengang nicht gewaschen haben), können Sie diese auf Lebensmittel übertragen. Dort können sie sich vermehren und sogar Giftstoffe bilden. Wer das Essen dann verzehrt, kann krank werden – oft mit Erbrechen und Durchfall.
Umgekehrt tragen manche Lebensmittel bereits vor dem Garen von Natur aus Keime in sich – etwa Salmonellen und Campylobacter-Bakterien in rohem Geflügel. Waschen Sie sich nach dem Anfassen solcher Produkte nicht die Hände, können Sie Keime auf andere Oberflächen übertragen und so Infektionen weiter verbreiten.
Wie wasche ich meine Hände richtig?
Mit diesen drei einfachen Hinweisen gelingt korrektes Händewaschen:
- Anfeuchten Sie Ihre Hände und reiben Sie sie mit Seife gründlich aneinander, bis sich ein guter Schaum bildet – mindestens 20 Sekunden lang. Vergessen Sie nicht die Bereiche zwischen den Fingern und unter den Nägeln. Gegebenenfalls ist eine Nagelbürste nötig.
- Abspülen Sie anschliessend gründlich unter fliessendem Wasser, damit die Keime von den Händen entfernt werden.
- Abtrocknen Sie die Hände sorgfältig mit einem sauberen Handtuch – ebenfalls mindestens 20 Sekunden. Wenn Sie Oberflächen mit feuchten Händen berühren, begünstigt das die Übertragung von Keimen von der Oberfläche auf Ihre Hände.
Was ist mit Handdesinfektionsmittel?
Wenn kein fliessendes Wasser zur Verfügung steht, können Sie ein alkoholbasiertes Handdesinfektionsmittel verwenden. Diese Mittel inaktivieren rasch viele verschiedene Keime und machen sie dadurch nicht mehr infektiös. Handdesinfektionsmittel wirken gegen zahlreiche Bakterien und Viren, die viele häufige gastrointestinale und Atemwegsinfektionen auslösen können.
Sind Ihre Hände jedoch mit organischem Material verschmutzt – etwa Blut, Stuhl, Fleisch, Sand oder Erde – wirken sie nicht zuverlässig. In solchen Situationen sollten Sie die Hände mit Seife und Wasser reinigen.
Das Wesentliche
Händewaschen ist ein bisschen wie das Anlegen des Sicherheitsgurts: Das macht man jedes Mal, wenn man ins Auto steigt – nicht nur an den Tagen, an denen man „plant“, in einen Unfall verwickelt zu werden. Entscheidend ist: Händewaschen ist eine einfache, schnelle Massnahme, die Ihnen und den Menschen um Sie herum nützt – aber nur, wenn Sie es auch wirklich tun.
Christine Carson, leitende wissenschaftliche Mitarbeiterin, Medizinische Fakultät, Universität von Westaustralien
Dieser Beitrag wird unter einer CC-Lizenz aus „Die Konversation“ erneut veröffentlicht. Lesen Sie dort den Originalbeitrag.
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