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Yoga und ein langes Leben? Was Daisy Taylor (105) berichtet

Ältere Frau macht Yoga im Krieger-II-Pose auf Terrasse im Park bei Sonnenuntergang.

Yoga wird mit vielen gesundheitlichen Vorteilen in Verbindung gebracht. Aber steckt darin womöglich auch ein Schlüssel für ein langes Leben? Genau darüber berichtet Daisy Taylor, eine 105-Jährige aus Chelmsford in England.

In einem Interview anlässlich ihres 105. Geburtstags sagte Taylor der BBC, sie führe ihr langes und zugleich gutes Leben auf Yoga zurück – neben ihrer optimistischen Grundhaltung und der Freude an kleinen Dingen. Vor allem helfe ihr Yoga dabei, geistig beweglich zu bleiben. Und obwohl sie inzwischen häufig eher auf einem Stuhl als auf der Matte übt, praktiziert sie weiterhin.

Yoga im hohen Alter: Daisy Taylor und geistige Fitness

Als ältere – und insbesondere mental fitte – Yogapraktizierende ist Taylor kein Einzelfall. Auch andere bekannte Yogis haben ein hohes Alter bei guter Gesundheit erreicht.

Langlebige Yoga-Lehrer: Iyengar, Krishnamacharya und Jois

Ein oft genanntes Beispiel ist B.K.S. Iyengar. Er gilt als einer der bekanntesten Yogalehrer unserer Zeit. Als Kind habe man ihm nur noch wenige Lebensjahre prognostiziert, nachdem er gleichzeitig an Malaria, Typhus und Tuberkulose erkrankt war. Dann kam er mit Yoga in Kontakt und begann, täglich zehn Stunden zu üben. Er überstand seine Erkrankungen nicht nur um einige Jahre – er wurde 95.

Iyengars Schwager und Lehrer Tirumalai Krishnamacharya, der als Begründer des Vinyasa-Yoga gilt, erreichte ein Alter von 100 Jahren. Und Krishnamacharyas ebenfalls sehr bekannter Meisterschüler Krishna Pattabhi Jois, dessen Ashtanga-Yoga die Grundlage für die spätere Yoga-Fitness-Welle legte, wurde 93.

Was Studien zu Gesundheit und Psyche zeigen

Dass Yoga auch im hohen Alter sinnvoll sein kann, hat mehrere Gründe. Untersuchungen deuten darauf hin, dass Yoga verschiedene altersassoziierte Erkrankungen günstig beeinflussen kann – etwa indem Blutdruck, Blutfettwerte und Übergewicht reduziert werden.

Zudem kann Yoga Depressionen, Stress und Angstzustände lindern. Ausserdem steht Yoga häufig im Zusammenhang mit einem insgesamt gesundheitsbewussteren Lebensstil, zum Beispiel mit einer ausgewogeneren Ernährung.

Auch mit Blick auf das Altern und das „Jungbleiben“ sprechen Daten dafür, dass Yoga zahlreiche Vorteile bieten könnte.

Yoga und Altern

Forschungsergebnisse legen nahe, dass Yoga das Altern möglicherweise sogar auf zellulärer Ebene beeinflusst. In einer Studie zeigte sich bei Teilnehmenden, die Yoga praktizierten, ein Anstieg der Telomerase-Aktivität um 43 % – während Personen, die lediglich entspannten, nur knapp 4 % Zuwachs erreichten. Das Enzym Telomerase gilt als zentral für Alterungsprozesse, weil es die Zellalterung verlangsamt.

Ausserdem können sehr erfahrene Yogis ihren Stoffwechsel offenbar so stark herunterfahren, dass ihr körperlicher Zustand dem von Winterschläfern ähnelt: Atmung und Herzfrequenz sinken deutlich, ebenso die Körpertemperatur. Bei Tieren ist bekannt, dass solche Ruhephasen die Lebensspanne verlängern können. Manche argumentieren, das könne auch beim Menschen zutreffen.

Daneben sprechen Hinweise dafür, dass Yoga dabei hilft, mit zunehmendem Alter geistig fit zu bleiben.

Mit den Jahren lässt die geistige Leistungsfähigkeit häufig nach. Neues zu lernen und frische Erinnerungen aufzubauen, fällt tendenziell schwerer. Das spiegelt sich auch im Gehirn wider: Vor allem der Hippocampus, der für die Bildung neuer Erinnerungen wichtig ist, verliert im Alter an Substanz.

Eine Studie, die Gehirne von Yogapraktizierenden untersuchte, fand jedoch im Vergleich zu gleichaltrigen Nicht-Yogis im Schnitt eine grössere Hirnmasse. Besonders deutlich war der Unterschied im Hippocampus. Zudem zeigte sich: Je länger jemand Yoga praktizierte, desto grösser war die Hirnmasse.

In einer weiteren Untersuchung entsprach die durchschnittliche Hirnmasse von Meditierenden im Alter von 40–50 Jahren der durchschnittlichen Hirnmasse von Nicht-Meditierenden im Alter von 20–30 Jahren. Meditation ist ein wichtiger Bestandteil von Yoga.

Viele dieser Studien versuchen zwar, Einflussfaktoren zu berücksichtigen, die das Risiko für kognitiven Abbau verändern können (etwa Lebensstil oder genetische Faktoren). Doch eine solche Kontrolle ist nie vollständig – entsprechend handelt es sich bei den Zusammenhängen zunächst nur um Korrelationen.

Allerdings gibt es Forschung, die tatsächlich zeigt, dass Meditation die Hirnmasse ursächlich erhöhen kann – und das relativ schnell. In einer Studie mit Personen ohne Meditationserfahrung absolvierte eine Gruppe einen viermonatigen Meditationskurs, während die andere Gruppe keinen Kurs machte.

Nach vier Monaten war die Hirnmasse in der Meditationsgruppe deutlich gestiegen. Erneut war der Hippocampus besonders betroffen. Insgesamt sprechen diese Daten dafür, dass Meditation – und damit auch Yoga – mit einem jüngeren „Gehirnalter“ verbunden ist.

Studien haben ausserdem die sogenannte „fluide Intelligenz“ betrachtet – also die Fähigkeit, neue unbekannte Probleme zu lösen, Neues zu lernen sowie Muster und Zusammenhänge zu erkennen. Diese Fähigkeit nimmt im höheren Alter häufig ab.

Die Forschung zeigt jedoch, dass Menschen mittleren Alters, die über viele Jahre Yoga oder Meditation praktiziert haben, im Vergleich zu Gleichaltrigen ohne diese Aktivitäten eine bessere fluide Intelligenz aufweisen.

Langlebigkeit und Yoga

Bleibt die Frage: Gibt es direkte Belege dafür, dass Yoga die Lebensdauer verlängert?

Eine Studie hat genau das untersucht. Dazu nutzten die Forschenden verknüpfte Daten aus dem Nationalen Sterberegister sowie der Nationalen Gesundheits- und Ernährungserhebung – einer fortlaufenden, landesweit repräsentativen Erhebung zum Gesundheits- und Ernährungsstatus der US-Bevölkerung.

Die 22.598 Teilnehmenden beantworteten zahlreiche Fragen zu ihren Lebensgewohnheiten – unter anderem dazu, ob sie Yoga ausübten.

Die Ergebnisse wirkten zunächst sehr eindrucksvoll.

Im Durchschnitt 8,5 Jahren nach der Befragung lag das Sterberisiko bei Teilnehmenden, die Yoga praktizierten, fast zwei Drittel niedriger als bei Personen ohne Yoga.

Allerdings gab es einen entscheidenden Haken: Die Yogis waren im Mittel deutlich jünger als die Gesamtheit der Teilnehmenden. Wurde das Alter in der Analyse berücksichtigt, zeigte sich kein Unterschied mehr in der Sterblichkeit zwischen Yogis und Nicht-Yogis.

Damit scheint Yoga die Langlebigkeit letztlich doch nicht zu erhöhen.

Daisy Taylor berichtete im Interview auch von ihrer 103-jährigen Schwester sowie fünf weiteren Geschwistern, die jeweils älter als 90 geworden sind. In ihrem Fall spricht daher vieles dafür, dass die Langlebigkeit eher familiär bedingt ist.

Dennoch scheint Yoga im Alter gesünder zu halten und vor allem geistig fitter zu machen. Und möglicherweise kann es – wie bei Daisy Taylor – auch dazu beitragen, dem Alter einen Teil seines Schreckens zu nehmen.

Holger Cramer, Professor, Forschung in der Komplementärmedizin, Universität Tübingen

Dieser Artikel wurde unter einer Creative-Commons-Lizenz erneut veröffentlicht und stammt von The Conversation. Den Originalartikel finden Sie dort.

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